Café im Mehrgenerationenhaus „Dippelmühle“ ist am Donnerstag wieder offen

Trauer braucht Verstehen

Anneliese Weise ist bereit, Menschen auf ihrem Weg durch die Trauer zu begleiten. Persönliche Wahrnehmungsfähigkeit, Offenheit und Sensibilität sind dabei unerlässlich. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Von einem lieben, vertrauten Menschen für immer Abschied zu nehmen, fällt schwer. Verlust und Trauer müssen Raum erhalten, die wechselvollen Gefühle durchlebt und ausgehalten werden.

Unsere Gesellschaft kann leider nur sehr schlecht mit der Trauer umgehen. Sie erwartet Haltung und Stärke und verlangt schnellste Rückkehr zur „Normalität. Viele Menschen wissen auch gar nicht, wie sie einem Trauernden gegenübertreten sollen oder reagieren mit Unverständnis, wenn der Betroffene immer wieder über den Menschen sprechen möchte, der gestorben ist. Dabei ist dies ein wesentlicher Bestandteil der Trauerarbeit und gehört zur seelischen Verarbeitung des Verlustes dazu, erklärt Trauerbegleiterin Anneliese Weise.

Offenes Angebot

Das Trauercafe´ im Mehrgenerationenhaus „Dippelmühle“ ist ein offenes Angebot für Trauernde und gibt den Hinterbliebenen diesen Raum. Ehrenamtliche ausgebildete Trauerbegleiterinnen des Ökumenischen Hospizvereins Bad Hersfeld sind dabei Wegbegleiterinnen, die zuhören, gesprächsbereit sind und selbstverständlich der Schweigepflicht unterliegen.

Trost und Kraft

Dies gilt für alle Anwesenden, die im Austausch mit gleich und ähnlich Betroffenen Trost und Kraft für den eigenen Weg finden möchten, Kontakt zu anderen suchen und ihre eigenen Erfahrungen miteinander teilen möchten. Vor allem dürfen sie in der Gemeinschaft so sein, wie sie sich gerade fühlen - traurig, wütend, verzweifelt, einsam, aufbrausend, still oder resigniert.

Anneliese Weise hat den Fachkundenachweis zur Trauerbegleitung erworben und erklärt: „Trauernde Menschen zu begleiten, verlangt zuallererst Authentizität und die Bereitschaft, Leid nicht auszublenden, sondern mit auszuhalten“. Sie betont: „Die ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit sollte Menschen auszeichnen, die Trauernde begleiten“.

Anneliese Weise, Karla Bernhardt-Loot, Petra Möller, Helga Riebold und Waltraud Wolf haben sich während ihrer Ausbildung intensiv mit den einzelnen Trauerprozessen auseinandergesetzt. Auf das „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ und die Verleugnung des Todes folgen der volle Schmerz und die Verzweiflung über das Geschehene. Danach beginnt die langsame Neuorientierung. Dann ist es möglich, ein natürliches Verhältnis zum Verstorbenen sowie eine positive Einstellung zum eigenen Weiterleben zu entwickeln.

Hilfreiche Unterstützung

Wer sich hierbei hilfreiche Unterstützung und Verständnis erhofft, ist im Trauercafe´ im Mehrgenerationenhaus „Dippelmühle“ in Bad Hersfeld, Dippelstraße 2, gut aufgehoben und jeden ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, jedoch besteht die Möglichkeit, sich vorher beim Hospizbüro unter der Telefonnummer 06621/794742 oder Handy 0174/8010400 zu informieren.

Von Gudrun Schmidl

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