Opernfestspiele: Verdis „Rigoletto“: Stoff, Entstehung, Dramaturgie – Premiere am 8. August

Die Tragödie des Narren

Zorn und Verzweiflung: Rigoletto (Martin Kronthaler, Zweiter von links) ist in Verdis Oper gleichen Namens eine tragische Gestalt. Am Mittwochabend ist Premiere in der Stiftsruine. Fotos: Hartmann

Bad Hersfeld. Der König amüsiert sich. König Lear hält sich einen Hofnarren – warum nicht auch der Herzog von Mantua! Von Shakespeare also zu Giuseppe Verdi. Der hatte es ganz und gar nicht mit absolutistischen Machthabern und in seinen Opern auch selten mit Lustigkeiten. Auch diese hier, seine 17. von 28, endet tieftragisch. Ihren Titel hat sie vom herzoglichen Hofnarren: „Rigoletto“, uraufgeführt am Teatro la Fenice in Venedig am 11. März 1851. Die Stoffvorlage war Victor Hugos Versdrama „Le roi s’amuse“, deutsch „Der König amüsiert sich“.

Story faszinierte

Effizienz, ein dem heutigen Leistungsdenken stark verpflichteter Begriff, war auch für den Opernkomponisten Verdi grundlegend bei der Suche nach einem neuen Stoff, einem Sujet. Dass er sich kaum je zufrieden gab, alles unter Kontrolle behielt von der ersten Themenliste bis zur Generalprobe der fertigen Oper, trug entschieden zu seinem Erfolg bei. Die Geschichte vom König – es ist Franz I. von Frankreich (1509 bis 47), der sich reihenweise mit den Damen seines Hofstaats amüsiert, bis er inkognito bei Gilda landet, der Tochter seines Entertainers Triboulet, und der dann erfahren muss, wie dieser zur Rache ausholt – diese Story faszinierte den knapp 40-jährigen Komponisten sofort. Für das Opertextbuch kam kein anderer in Frage als Francesco Maria Piave, Verdis damals bevorzugten Librettist.

Tragisches Schicksal

Schon Victor Hugo war es in seinem Drama von 1832 darum gegangen, das Groteske nicht in die Komik zu überführen, sondern in das Genre des Erhabenen. Genau das mag Verdi vor allem gereizt haben, dieses doppelt Aufrührerische mit dem Rückstoß-Effekt: Dass nämlich einerseits ein nichtswürdiger Untergebener, ein buckliger Spaßmacher, den absoluten Herrscher herausfordert. Und dass andererseits die Rache, der Mordanschlag des Aufbegehrenden, dann doch misslingt, dass dieser Rigoletto, weder Sympathieträger noch Verhasster, sein tragisches Schicksal erleidet. In der Dramaturgie des 19. Jahrhunderts folgt eben auf Schuld nicht mehr automatisch die Strafe, wie noch im 18. Jahrhundert bei Mozarts „Don Giovanni“.

Überhaupt haben Mozarts und Verdis Oper, die nun in die Stiftsruine gelangen, manches in der Thematik gemein: den skrupellosen Frauenhelden, der in Mozarts heiterem (!) Drama untergeht, in Verdis tragischer Oper aber davonkommt. Natürlich die verfallenen Frauen, die sich bei Verdi widerstandslos hingeben, bei Mozart aber aufbegehren. Die stellvertretend vom Mann geübte Rache, die bei Verdi fehl- und auf den Rächer zurückschlägt, bei Mozart nur mit Hilfe überirdischer Macht gelingt.

Rollenakzent verschoben

Man spürt freilich, wie die Stillage und der Rollenakzent sich verschoben haben: Vom Ineinander von Komik und Tragik bei Mozart zum krassen Gegeneinander bei Verdi; vom erotischen Draufgänger in der Titelrolle hier zum überlebensgroßen Rächer dort.

Von Siegfried Weyh

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