Holk Freytag über die Geschichte des Theaters

Tragödie heißt durch Leiden lernen

Intendant Holk Freytag bei seinem Vortrag. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Mit einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe zur „Geschichte der darstellenden Kunst“ möchte Festspielintendant Holk Freytag das Theaterpublikum auf die kommende Festspielsaison einstimmen. Zum Auftakt nahm er seine Zuhörer im – bis auf den letzten Platz gefüllten – Bad Hersfelder Grebekeller mit auf eine Reise in die Vergangenheit zu den Ursprüngen des griechischen Theaters, der Geburt der Demokratie und Europas.

Wer sich auf einen Abend mit netten Plaudereien des Festspielintendanten bei einem Glas Rotwein eingestellt hatte, sah sich allerdings in seinen Erwartungen getäuscht. Es waren rund zweieinhalb Stunden konzentrierten Zuhörens, unterbrochen lediglich durch eine kurze Pause, angesagt. Damit blieb Holk Freytag mit seinem Vortrag ein Stück weit dem Prinzip der griechischen Tragödie „Durch Leiden lernen“ treu.

Mit der Griechischen Tragödie erlebte das Theater vor rund zweieinhalbtausend Jahren seinen Höhepunkt. Seitdem gehe es – so Holk Freytag mit einem Augenzwinkern – ständig bergab, allerdings mit einer Ausnahme, dem Theater William Shakespeares. Letztendlich versank das griechische Theater in der Barbarei der römischen Gladiatorenspiele.

Die Entwicklung des griechischen Theaters von Homer zu Aischylos, die in der Tragödie ihren Höhepunkt fand, spiegelt für den Festspielintendanten eine Vielzahl von Umbrüchen wider: Den Umschwung vom Matriachat zum Patriarchat, die Entwicklung des determinierten, getriebenen Menschen hin zum fragenden Menschen, die Ablösung der Tyrannei durch die Demokratie.

Ausführlich ging Holk Freytag auf die Orestie des Aischylos ein, eine der bedeutendsten griechischen Tragödien, in seinen Augen das Antikriegsstück schlechthin. In einem Nebensatz verriet der Festspielintendant, dass die Aufführung der Orestie in der Stiftsruine sein Herzenswunsch für die Spielzeit 2016 sei. (tl)

Fortgesetzt wird die Veranstaltungsreihe am kommenden Mittwoch, 12. Februar, um 20 Uhr im Grebekeller mit dem Thema „Die Weltbühne des William Shakespeare“. Restkarten sind noch unter Telefon 06621/72662 erhältlich.

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