Prozessauftakt gegen 22-jährigen Hersfelder, der Internet-Freundin erstochen haben soll

Tränen im Gerichtssaal

Wie ein Häufchen Elend: Zusammengesunken sitzt der 22-jährige Alexander S. aus Bad Hersfeld neben seinem Anwalt im Landgericht in Weiden. Er ist angeklagt, eine junge Frau aus verschmähter Lieber erstochen zu haben. Foto: Gabi Schönberger

Weiden/Bad Hersfeld. Die Mutter und der Vater rutschen immer wieder in die Gegenwartsform, wenn sie über ihre Tochter sprechen. Als ob Stefanie S. noch am Leben wäre. „Sie hat panische Angst vor Rollläden“, sagt die Mutter vor dem Weidener Schwurgericht.

Die Familie aus dem bayerischen Vohenstrauß suchte im November letzten Jahres bei einem Raumausstatter also blickdichte Vorhänge aus, damit Stefanie S. und ihre zweijährige Tochter wenigstens in der eigenen Wohnung vor den Nachstellungen von Alexander S., einem 22-jährigen Mann aus Bad Hersfeld, sicher seien. Wenige Tage später war Stefanie S. tot.

Der Stalker hatte sie im Treppenflur ihres Mietshauses mit drei Messerstichen umgebracht. Die von der Vermieterin alarmierte Mutter kam zu spät. „Ich konnte sie nur mehr in den Arm nehmen, bis der Puls aussetzte. Dann war sie tot“, schluchzte die 45-jährige Frau beim Auftakt des Mordprozesses gegen Alexander S. am Freitag (wir berichteten).

Erschütternde Szenen spielen sich im Gerichtssaal ab, als die Eltern schildern, wie es zum Tod ihrer 21-jährigen Tochter kam. Betroffene Gesichter unter den Richtern, Rechts- und Staatsanwälten, als die Mutter unter Tränen berichtet, dass auch ihrer kleinen Enkelin am Abend des 4. November 2011 der Anblick ihrer sterbenden Mama nicht erspart blieb.

Bittere Vorwürfe

Bittere Vorwürfe gehen von der Familie an Beamte der Polizeiinspektion Vohenstrauß: Die Polizisten hätten auf ihre Anzeige gegen den Stalker nur zögerlich reagiert - unter anderem wegen „Personalmangel“, aber wohl auch, weil der Täter seinerseits einige Tage vor seiner Bluttat in Vohenstrauß Anzeige gegen sein späteres Opfer wegen Stalkings erstattet hatte.

Die Familie sei mit den Worten „Sagen Sie ihrer Tochter, sie soll erst einmal erwachsen werden“ abgefertigt worden, klagt die Mutter an. Die Kollegen von der Polizei in Bad Hersfeld, von wo der Angeklagte stammt, reagierten anders: Nach einem besorgten Anruf der Familie im Herbst sprachen die Hersfelder Beamten ein ernstes Wort mit Alexander S. und nahmen ihm das Versprechen ab, die junge Frau in Ruhe zu lassen.

Die amtliche „Gefährderansprache“ unterblieb in Vohenstrauß.  

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Von Reinhold Willfurth

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