Jugendschöffengericht: 23-Jähriger wegen Vergewaltigung eines Kindes angeklagt

Tränen davor und danach

Bad Hersfeld. In Strafverfahren mit sexuellem Hintergrund ist es nicht selten Konsens, dem Opfer eine Aussage vor Gericht zu ersparen – bei weitgegehend unstrittigem Sachverhalt jedenfalls.

Das war gestern jedoch nicht der Fall, als sich ein 23-Jähriger aus dem Kreisgebiet laut Anklage von Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald wegen Vergewaltigung vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld verantworten musste. Schlimmer noch: Zur mutmaßlichen Tatzeit im Februar 2007 war die Geschädigte erst 13 Jahre alt, also vor dem Gesetz noch ein Kind.

Das Mädchen aus Bad Hersfeld zeigte sich auch mehr als drei Jahre danach noch sichtlich mitgenommen, brach vor, während und nach der (nicht öffentlichen) Vernehmung in Tränen aus.

Die Mutter schilderte dem Gericht, wie die Tochter zunächst „dicht machte“, in der Schule leistungsmäßig stark abfiel, eine Klasse wiederholte und erst durch Kur und ärztliche Betreuung wieder etwas stabiler wurde.

Die Kriminalpolizistin, der sich das Mädchen im Mai 2007 endlich offenbart hatte, hielt die Aussage für glaubhaft und frei von Widersprüchen.

Doch geht es nach der Veteidigung, dann hat im Schlafzimmer des Angeklagten überhaupt keine Vergewaltigung stattgefunden, dann ist das ganze Verfahren nur eine Retourkutsche der jungen Frau dafür, dass sie ein paar Wochen nach dem angeblichen Vorfall sitzengelassen wurde.

Nur eins ausgewischt?

Während der Angeklagte gestern zu allen Vorwürfen schwieg (neben der Vergewaltigung geht es auch um eine gefährliche Körperverletzung mittels eines Schlagringes), unterstellte sein Anwalt Klaus Königshof durch Beweisanträge, dass das Opfer seinem Mandanten nur „eins auswischen“ wollte und dass es schon vor dieser Beziehung sexuelle Erfahrungen gesammelt habe. Außerdem forderte Königshof ein Glaubwürdigkeitsgutachten.

Richter Dr. Rolf Schwarz, Vorsitzender des Jugendschöffengerichts, beraumte zwar für den 21. Juni einen Fortsetzungstermin zur Vernehmung weiterer Zeugen an, bat die Verteidigung jedoch auch, bis dahin ihre Strategie zu überdenken.

Von Karl Schönholtz

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