Das Hersfelder Modehaus Vockeroth schließt zu Anfang des nächsten Jahres

Aus für Traditionsgeschäft

Letzte Einkäufe: Ab heute beginnt im Modehaus Vockeroth der Räumungsverkauf. Im Januar oder Februar schließt das Traditionsgeschäft endgültig. Foto:  Trebing

Bad Hersfeld. Aus den Schaufenstern in der Hersfelder Breitenstraße werden ein paar gut gekleidete Porzellanherren verschwinden. Denn das Traditionsmodehaus Vockeroth, das seit 1990 die Männer der Umgebung einkleidet, wird Anfang des nächsten Jahres schließen.

„Es ist Wehmut dabei“, sagt Thomas Vockeroth, der zusammen mit seinem Bruder Joachim das Unternehmen führt. „Aber die Schließung ist eine strategische Überlegung.“

Nüchtern erklärt der Melsunger Unternehmer, dass ein Modefachgeschäft auf 220 Quadratmetern nicht mehr in die Zeit der großen Kaufhäuser passt. „Die Hersfelder Filiale ist zu klein“, sagt er am Telefon. „Es klingt vielleicht ein wenig hart, aber sie passt nicht mehr in unsere Firmenstrategie.“

„Sehr schade“

Über mangelnden Erfolg in der Kreisstadt könne sich das Unternehmen Vockeroth jedoch nicht beklagen. „Wir hatten viele Stammkunden“, sagt der Geschäftsführer. Und tatsächlich gibt es in der Umgebung kaum Herren, die sich nicht schon in der Breitenstraße 16 zu einem Festtagsanzug oder einem Kaschmirpulli raten ließen. „Sehr schade“, lautet der Kommentar der Kunden, die mit gefüllten Tüten aus dem Laden kommen.

Auch Uli Sauter, der die Filiale von Anfang an geleitet hat, ist ein wenig traurig. „Ich werde Hersfeld vermissen“, sagt der Modeverkäufer aus Kassel. „In den 20 Jahren gewöhnt man sich an die Mentalität hier, und es sind viele persönliche Kontakte entstanden.“

Nachdem das Geschäft Ende Januar oder Anfang Februar endgültig geschlossen wurde, wird Sauter in der Vockerothfiliale in Eschwege arbeiten. Auch die drei weiteren Mitarbeiter sollen in der Firmenfamilie untergebracht werden. Unter anderem betreiben die Vockeroth-Brüder Modehäuser in Melsungen, Fritzlar, Hann. Münden und Soest. Auch die C&A-Niederlassung in Bad Hersfeld und die S.Oliver- und Street-One-Filialen in der Fußgängerzone gehören zum Unternehmen.

Was mit der bald verwaisten Ladenfläche in der Breitenstraße passieren soll, will Thomas Vockeroth nicht kommentieren. Das Gebäude, in dem die Porzellanherren noch im Fenster stehen, gehört einer Erbengemeinschaft.

Von Saskia Trebing

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