Michael Schanze behauptet sich gegen seine frechen, aber liebenswerten Frauen

In Tradition verwurzelt

Familienfoto vor der Ruine: Michael Schanze (Tevje), mit seinen Töchtern und seiner Ehefrau im Stück „Anatevka“. Von links Franziska Lessing (Zeitel), Marianne Larsen (Golde), Lea Isabel Schaaf (Chava) und Milica Jovanovic (Hodel). Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Da stimmt die Chemie: In „Anatevka“ spielen Michael Schanze (Tevje) und Marianne Larsen (Golde) Mann und Frau, und auch abseits der Proben wird geknuddelt und gelacht.

Die Töchter im Stück – Franziska Lessing (Zeitel), Milica Jovanovic (Hodel) und Lea Isabel Schaaf (Chava) – schließen sich dem herzlichen Miteinander gerne an. „Da kommt der Papa!“, freuen sie sich als Bühnen-Vater Michael Schanze erscheint. Wie sie da so auf der Eckbank in der Festspielkantine sitzen, könnte man meinen, es handelt sich tatsächlich um eine kleine Familienzusammenkunft. „Man wächst zusammen“, berichtet Schanze nach den ersten gemeinsamen Probenwochen. „Nur die Frage, wer kocht, ist noch nicht geklärt“, ergänzt „Mama“ Larsen schmunzelnd, der Lessing, Jovanovic und Schaaf auch abseits der Bühne besondere Mutterqualitäten zusprechen. „Sie kümmert sich einfach“, so Jovanovic.

Tradition und Werte

Doch so ungetrübt ist das Familienleben in „Anatevka“ nicht. Die Geschichte spielt um 1905 im Russischen Reich, im ukrainischen Dorf Anatevka. Dort lebt eine jüdische Gemeinschaft, in der großen Wert auf Tradition gelegt wird. Milchmann Tevje möchte seine Töchter nach altem Brauch verheiraten, doch die wollen selbst entscheiden, wen sie lieben und ehelichen. Schließlich gibt Tevje doch nach, zwei Töchter heiraten ihre Wunschmänner. Die Dritte, das wissbegierige Nesthäkchen der drei Frauen, verstößt er jedoch zunächst.

Facettenreiche Rolle

„Wir erleben freudige, aber auch tragische Momente mit unserem Vater“, erklärt Franziska Lessing. Im Stück sind die Töchter auch eine Last für die Familie, es gibt nämlich noch zwei weitere jüngere Töchter – das heißt für fünf Töchter müssen Mitgiften bezahlt werden. „Tevje ist eigentlich ein recht moderner Vater, der der Welt gegenüber aufgeschlossen ist, aber er ist auch in Traditionen verwurzelt“, beschreibt Michael Schanze seine Figur. „Es ist eine facettenreiche Rolle.“

Und welche Funktion hat die Mutter in der Familie? „Sie hält die Familie zusammen“, sagt Darstellerin Marianne Larsen. „Es ist aber auch nicht einfach mit fünf Töchtern und einem Mann, der ständig im Zwiegespräch mit Gott ist.“ Tevjes Familie in „Anatevka“ lebt am Rande des Existenzminimums und jeder hat seine Aufgabe. Das Leben mit vielen Geschwistern kennt Milica Jovanovic gut, „ich bin selbst in einer Großfamilie aufgewachsen.“

Franziska Lessing berührt vor allem das Schicksal der jungen Frauen im Stück sehr, „nicht die Freiheit zu haben, das zu tun, was man will“. „Solche Schicksale gibt es ja heute noch.“ Interessant seien die Traditionen rund um die Hochzeit und: „Männer und Frauen durften sich nicht berühren, das ist schon ungewohnt“, verrät Lessing.

Von Nadine Maaz

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