HZ-Interview mit Achim Kniese und Martin Knauff über Kritik am Weihnachtsmarkt

Tradition statt Rummel

Die richtige Mischung macht’s – das gilt für Punsch wie für Weihnachtsmärkte. Martin Knauff und Achim Kniese (von links) sehen den Bad Hersfelder Markt auf einem guten Weg, und das sei kein Hexenwerk, sondern das Resultat solider Arbeit. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. An Weihnachtsmärkten scheiden sich die Geister. Einigen sind sie zu laut, anderen zu langweilig. Zu viel Gastronomie, zu wenig Kunsthandwerk – die richtige Mischung ist schwer zu finden. Über den Bad Hersfelder Weihnachtsmarkt sprach Kai A. Struthoff mit Achim Kniese und Martin Knauff vom Stadtmarketingverein, der den Markt organisiert.

Herr Kniese, warum organisiert eigentlich der Stadtmarketingverein und nicht die Stadt den Weihnachtsmarkt?

Achim Kniese: Das ist eine der Aufgaben, die wir von der Stadt übernommen haben. Bis vor drei Jahren wurde der Markt von der Tourist-Info ausgerichtet – mit von der Stadt bezahlten Mitarbeitern. Im Zuge der Neuausrichtung des Stadtmarketings haben wir diese Aufgabe übernommen.

Bezahlt die Stadt jetzt auch etwas dafür?

Kniese: Nein, dafür gibt es keine Zuschüsse. Die rund 30 000 Euro, die der Weihnachtsmarkt kostet, trägt unser Verein mit vollem Risiko. Deshalb hoffen wir, wenigstens eine schwarze Null zu machen.

Herr Knauff, warum brauchen wir aus Sicht der Einzelhändler einen Weihnachtsmarkt?

Martin Knauff: Seit langer Zeit gelten Weihnachtsmärkte, vor allem in größeren Städten, als zusätzliches Event in der Adventszeit. Auch in Hersfeld gibt es seit über 25 Jahren verschiedene Versuche, zum Beispiel in der Breitenstraße, später in der Fußgängerzone. Inzwischen sind die Weihnachtsmärkte fast inflationär, und wir können nur mit Qualität überzeugen.

Warum brauchen wir überhaupt einen Weihnachtsmarkt?

Knauff: Wir stehen im Wettbewerb mit Kassel, Fulda und Eisenach. Die Entscheidung, wo man hinfährt, fällt in Friedewald, Niederaula oder Bebra am Küchentisch. Wenn in Bad Hersfeld nichts läuft, dann kommt auch keiner. Deshalb ist das fundamental wichtig, dass wir hier einen Weihnachtsmarkt haben.

Zielgruppe sind also die Menschen aus der Region, oder wollen Sie auch Besucher von weiter her anlocken?

Knauff: Es geht vor allem um die Region. Man nennt das Mikro-Marketing. Wir wollen gezielt den Event-Charakter der Stadt betonen und den Naheinzugsbereich bewerben.

Kniese: Aber wir wehren uns auch nicht gegen Bustouristen von außerhalb. Wir haben für sie eigens Anzeigen geschaltet und auf Reisemessen um sie geworben. Nach meiner Wahrnehmung haben wir jetzt schon deutlich mehr Busreisegäste als in den Vorjahren. Das bestätigen auch die Aussteller.

Macht der Weihnachtsmarkt den örtlichen Einzelhändlern nicht auch Konkurrenz?

Knauff: Mit Konkurrenz leben wir. In Hersfeld sagt man: Wo Duben sin, fliejen Duben hin. Ein Markt funktioniert nur im Wettbewerb. Mir sind jedenfalls keine Beschwerden von Einzelhändlern bekannt. Im nächsten Jahr hoffen wir sogar noch auf mehr Markt-Händler, gerade für Kunstgewerbe. Wir könnten schon jetzt zehn Bunden mehr aufstellen.

Aus den Spitzen der Stadtpolitik hört man Kritik am Markt. Es gäbe zu wenig Bühnenaktion, die Buden ständen zu weitläufig, die Zusammensetzung der Händler stimme nicht, heißt es. Sind diese Vorwürfe berechtigt?

Kniese: Das muss man differenzieren. Wir haben tatsächlich Probleme, Kinderchöre zu bekommen, weil sich im vergangenen Jahr bei dem kalten Wetter viele Kinder beim Auftritt erkältet haben. Die Resonanz der Anlieger ist uneingeschränkt positiv und ich habe viele Bad Hersfelder getroffen, die schon auf einen Mittagsimbiss vorbeischauen. Das war nicht immer so. Und letztlich spricht die Zufriedenheit der Händler auch für sich. Trotz allem – besser geht selbstverständlich immer.

Auf den Bühnen könnte tatsächlich mehr los sein. Manche Weihnachtsmärkte machen sogar Aprés-Ski-Partys. Was halten Sie davon?

Knauff: Denkbar ist das, in Kassel machen die das. Aber das ist eine Großstadt. Bei uns in der Kleinstadt hat der Weihnachtsmarkt auch eine traditionelle Bedeutung, er ist an ein kirchliches Fest angebunden. Deshalb sollte aus dem Markt kein Rummelplatz werden. Das wäre ein Schluck zu viel aus der Pulle, wir wollen hier kein Rundum-Besäufnis. Aber einen Weihnachtsmarkt, mit dem alle zufrieden sind, wird es sicher nie geben.

Werden Sie im nächsten Jahr mehr Leute einbinden in die Organisation?

Kniese: Natürlich werden wir jede Kritik und alle Anregungen auswerten, aber man muss auch sehen, wie die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Stadtmarketingverein in der Zukunft aussieht.

Knauff: Aber wenn die Stadt will, dass wir den Weihnachtsmarkt weitermachen, dann tun wir das sehr gern.

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