Montagsinterview mit dem Vorsitzenden des Lullusfest-Vereins, Stefan Kopetschek

Die Tradition muss bleiben

Feuer und Flamme für Lolls: Stefan Kopetschek führt seit April den Lullusfest-Verein. Auch das Schaufenster seines Elektronik- Fachgeschäfts schmückt er zur fünften Jahreszeit der Herschfeller mit Lullusfest-Motiven.

BAD HERSFELD. Mit dem Anzünden des Lullusfeuers beginnt heute für die „Herschfeller“ die fünfte Jahreszeit – und für den im April gegründeten Lullusfest-Verein das erste Fest in seiner Geschichte. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Stefan Kopetschek über die Vereinsziele und das Lollsfieber.

Im April wurde der Lullusfest- Verein gegründet. Mit wie vielen Mitgliedern starten Sie ins erste Lolls des Vereins?

STEFAN KOPETSCHEK: Bis jetzt sind wir um die 60 Mitglieder. Damit sind wir sehr zufrieden. Es treffen Stück für Stück noch Anmeldungen ein. Wir hoffen, dass in der Lollszeit nochmal ein Schwung hinzukommt.

Welche Ihrer Vorhaben konnten Sie in den ersten fünf Monaten verwirklichen?

KOPETSCHEK: Wir haben einen Festwagen und einen Werbestand gestaltet. Mit beiden haben wir gemeinsam mit den Mönchen die Werbetrommel für Lolls in verschiedenen anderen Städten kräftig gerührt. Der Verein organisiert den Verkauf und die Abrechnung des Lolls- Talers, der vom Autohaus Schade gesponsert wird. Ab dem kommenden Jahr übernehmen wir die Vermarktung des Lullusfeuers – damit ist der beliebte Lolls-Schnaps gemeint, den es dank Reinhard Rauche mittlerweile das ganze Jahr über gibt. Hinter den Kulissen arbeiten wir sehr intensiv an einem großen Projekt, um das Lullusfest als historisches Kulturgut zu manifestieren. Und wir haben ein Konzept für die Nutzung des Klausturms aufgestellt, den der Verein gemietet hat.

Gibt es für den Turm schon konkrete Pläne?

KOPETSCHEK: Er musste erst einmal mit einer neuen Heizung ausgestattet und nach dem langen Leerstand wieder auf Vordermann gebracht werden. Er soll wieder für Trauungen zur Verfügung stehen. Stadt und Festspiele können sich Besprechungen und Empfänge dort vorstellen. Wir wollen den Turm abendweise an kleine Gruppen vermieten und natürlich auch selbst Veranstaltungen anbieten.

Ihr Verein will in Sachen Lolls ausdrücklich keinen Einfluss auf die städtischen Gremien nehmen. Wie viel Handlungsspielraum bleibt dann überhaupt?

KOPETSCHEK: Sehr viel! Wenn wir Reklame für Lolls machen, schreibt uns niemand vor, wie wir das zu tun haben. Wir genießen das Vertrauen der Stadt und kennen unsere Verantwortung. Wir wollen aber klarstellen, dass wir, was die Organisation des Festes angeht, keine Entscheidungen zu treffen haben. Wir setzen uns in unserer Rolle als Unterstützer der Stadt für das Lullusfest ein, nicht mehr und nicht weniger.

Beim Gründungsfestakt haben Sie betont, dass das Fest in städtischer Hand bleiben muss. Gab es konkrete Privatisierungs- Befürchtungen?

KOPETSCHEK: Für das Lullusfest konkret nicht. In vielen anderen Städten hat aber leider Gottes eine Privatisierung von Festen stattgefunden. Wenn man sich diese Veranstaltungen heute im Vergleich zu früher anschaut, haben sie deutlich an Strahlkraft verloren. Wir legen deshalb großen Wert darauf, dass das Fest in städtischer Hand bleibt.

Wie sieht es mit dem Bekanntheitsgrad außerhalb der Kreisgrenzen aus? Haben Sie bei Ihren Werbetouren oft in fragende Gesichter geblickt?

Kopetschek: Glücklicherweise überhaupt nicht. Natürlich gibt es Leute, die interessiert nachfragen. Egal wo wir bisher hingekommen sind, haben die meisten gleich „Bruder Lolls“ gerufen und gesagt: „Dieses Jahr kommen wir auch wieder“.

Nach der schlimmen Gewalttat im vergangenen Jahr wurde jetzt eine Sperrstunde eingeführt. Muss noch mehr gegen Alkohol- und Gewaltexzesse getan werden?

KOPETSCHEK: Meines Wissens handelt es sich um eine Reinigungsstunde zwischen fünf und sechs Uhr. Sicher wird auf einem Volksfest getrunken. Lolls steht aber ganz bestimmt nicht im Ruf, eine „Saufveranstaltung“ zu sein, gerade deshalb, weil die Stadt das Lullusfest außerordentlich erfolgreich als fröhliches Fest für die ganze Familie organisiert. Auch die Aktion „nur Flaschen machen Scherben“ wird sehr gut angenommen. Man muss trotz allem die Kirche im Dorf lassen: Die Gewalttat des vergangenen Jahres im Umfeld von Lolls ist beschämend, aber wahrhaftig nicht repräsentativ für unser friedliches Fest. Dass das so ist, ist unter anderem auch ein Verdienst der Polizei, die hier hervorragende Arbeit auch im präventiven Bereich leistet. Jetzt wird eine Woche – hoffentlich friedlich – gefeiert.

Was unterscheidet das erste Lullusfest mit Lullusfest-Verein von den 1162 vorhergehenden?

KOPETSCHEK: Lolls bleibt Lolls und ist doch jedes Jahr wieder neu. Wir wollen weder das Fest neu erfinden noch in dessen Ablauf eingreifen. Mit unserem Engagement möchten wir die Stadt als Veranstalter unterstützen. Das sehen wir als selbstverständlich an, weil ein Volksfest ja nicht zum eigentlichen Pflichtprogramm einer städtischen Verwaltung gehört. Die ursprünglichen Traditionen sollen in den Köpfen bleiben und dürfen nicht aussterben. Ansonsten könnte man Lolls mit jeder Zeltkirmes vergleichen.

Das Lollsfieber der „Herschfeller“ ist manchen „Hergeloffenen“ fremd. Haben Sie einen Tipp, wie man einen Lollsmuffel doch überzeugt?

KOPTSCHEK: Er sollte mal schön gemütlich mit uns über den Festplatz schlendern, am Fierche ein paar Kastanien in die Flammen werfen und diese tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrem Fest beobachten. Spätestens wenn er den besonderen Geist spürt, der über den Festplatz weht, ist er „lullusfestziert“.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Zur Person

STEFAN KOPETSCHEK (37) wurde in Bad Hersfeld geboren und ist dort aufgewachsen. Er führt in dritter Generation ein Geschäft für Unterhaltungselektronik in der Bad Hersfelder Innenstadt. Kopetschek ist verheiratet. Seit der Gründung im April steht er an der Spitze des Lullusfest-Vereins. Zu seinen Hobbys zählt außerdem das Schlagzeugspielen, früher auch in einer eigenen Band. (jce)

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