Colonial- und Eisenwaren: Neue Fassade bei Grebe erinnert an Beginn des Geschäfts

Tradition und Moderne

Alt trifft neu: Die Entwicklung des Haushalts- und Eisenwarengeschäfts und des Handels insgesamt soll die neue Fassadengestaltung bei Grebe symbolisieren. Rechts die historisch gestaltete Fassade, links die moderne Optik. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Nein, das Sortiment hat sich bei Grebe nicht verändert, auch wenn an der Fassade des Geschäfts am Bad Hersfelder Linggplatz seit kurzem der Schriftzug „Colonial- und Eisenwaren“ prangt. Joachim Grebe, dessen Urgroßvater das Geschäft im Jahre 1877 gegründet hat, möchte vielmehr an die lange Tradition des Haushalts- und Eisenwarenhandels erinnern.

„Colonialwaren waren nichts anderes als Importe aus den deutschen Kolonien“, so Grebe, der von vielen Kunden und Passanten auf die neue Fassade und den weißen, „bewusst provozierenden“ Schriftzug in der originalen Firmenschrift aus dem 19. Jahrhundert angesprochen wird. „Tee, Kaffee, Gewürze, aber auch Haushaltswaren im weitesten Sinne.“ Aber nicht nur der Schriftzug ist neu, dessen feine Linien mit speziellen Pinseln aufgetragen werden mussten. Die vorher rostrosafarbenen Naturschieferschindeln sind dunkelgrau überstrichen worden, und die untere Fensterreihe wurde ersetzt und so optisch an die oberen Holzfenster angepasst. „Ich wollte dem alten Haus ein richtiges Gesicht geben“, sagt Joachim Grebe. Zahlreiche Hinweise auf die lange Tradition des Geschäfts finden sich auch im Innern: in Grebes Büro zum Beispiel steht eine alte Kasse, historische Fotos zieren die Wände.

Die Idee zur Umgestaltung hatte der 64-Jährige schon vor einiger Zeit, gemeinsam mit dem städtischen Denkmalpfleger Johannes van Horrick seien die Pläne dann konkretisiert worden. Für die Umsetzung brauchten die Arbeiter schließlich gerade einmal drei bis vier Wochen.

Das optische Gegenteil zu dem historisch anmutenden rechten Gebäudeteil bildet das linke Haus, das im Untergeschoss mit dem Nebengebäude verbunden ist. Das kubisch wirkende Wohn- und Geschäftsobjekt, in dem sich auch der Juwelier Meister Handke befindet, ist bewusst modern und schlicht gehalten. Außerdem ziert ein Hinweis auf den neuen Online-Shop eines der Fenster. „Die optische Trennung soll die Entwicklung des Handels widerspiegeln“, so Grebe. Denn ein Großteil des Umsatzes werden mittlerweile im Internet erwirtschaftet. Diesem zusätzlichen Geschäft dürfe man sich nicht verschließen, meint der Geschäftsmann. „Wir dürfen nicht auf dem alten Stand stehen bleiben“, so Grebe.

Bevor das 500 Jahre alte geschichtsträchtige Gebäude zum Colonial- und Eisenwarenhandel umgebaut wurde, war dort übrigens ein Gasthof untergebracht, in dem schon Lingg von Linggenfeld ein Quartier gehabt haben soll. Wer mehr über die Geschichte der Firma Carl Grebe wissen möchte, wird am Eingang von „Carl“ persönlich informiert.

Von Nadine Maaz

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