Ein toter Sportpark und ein neuer Geist

Kai A. Struthoff

Das Projekt hatte Charme. Der „Lullus-Sportpark“ in der Fuldaaue hätte eine clevere Kombination zwischen der ohnehin notwendigen Sanierung der Sportanlagen an der Oberau und einer deutlichen Verbesserung des gesamten, derzeit doch etwas „abgehängten“ Areals an der Fulda sein können. Nun ist das Projekt, an dem unsere Olympionikin Manuela Schmermund mitgearbeitet hat und das sogar Ministerpräsident Volker Bouffier begeisterte, vermutlich tot. Und das versprochene Fördergeld ist futsch.

Wenn das mal nicht nach hinten losgeht! Denn ohne die Hilfe aus Wiesbaden muss die Stadt vermutlich allein ebenso viel Geld für die Sanierung der Sportstätten ausgeben, wie sie auch für den viel breiter angelegten Sportpark als Eigenanteil hätte aufbringen müssen. Gewiss, einige der Bedenken, die SPD, Grüne und Fraktionsgemeinschaft haben, sind nicht von der Hand zu weisen. Allerdings kommen die Bedenkenträger damit ziemlich spät. Immerhin wird schon seit fast zwei Jahren über das Projekt diskutiert. Sollte hier, wie von NBL und FDP behauptet, tatsächlich nur aus politischem Kalkül gehandelt worden sein, weil man Bürgermeister Fehling keinen Erfolg gönnen will, hätte man der Stadt und der ganzen Region einen Bärendienst erwiesen.

Trotz dieser Differenzen ist im Stadtparlament tatsächlich ein neuer Geist spürbar. „Pluralismus“ nennt das Bernd Böhle von der FDP und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Es kann wirklich nicht schaden, wenn für Projekte (gern auch wechselnde) Mehrheiten organisiert werden müssen, anstatt von einer übermächtigen Betonfraktion durchgedrückt zu werden. Die Bürger jedenfalls merken schnell, ob die Parlamentarier echten Gestaltungswillen haben oder doch lieber Blockade-Politik betreiben. Letztere können wir uns angesichts der dramatischen Haushaltslage nun wirklich nicht leisten.

Während es im Hersfelder Rathaus bekanntlich immer wieder rumpelt, sind aus der Nachbarstadt Bebra positive Signale zu vernehmen. Auch dort scheint mit Neu-Bürgermeister Uwe Hassl ein neuer Geist zu wirken, der bei seinen Leuten gut ankommt. Weil er ihnen öffentlich den Rücken stärkt, bringen sie ihm auch Vertrauen entgegen. Mit schier unerschütterlichem Optimismus und großer Pragmatik geht der Jurist Hassl seine neue Aufgabe an. Ganz oben auf der Agenda steht das Thema Haushaltskonsolidierung. Und dabei gelingt es dem Bürgermeister, fast alle Fraktionen unter einen Hut zu bringen. Unterdessen mausert sich die so oft geschmähte Eisenbahnerstadt auch städtebaulich ganz gewaltig. Wenn das alles so bleibt, sollten vielleicht einigen Politgrößen der Kreisstadt, den Blick nicht nur in Richtung von Ellis Saal, sondern auch in Richtung Rathaus zu lenken.

Der Heringer Rathauschef kämpft wahrlich an allen Fronten. So bekamen auch wir von der Zeitung den Unmut von Hans Ries zu spüren, weil wir in dem Bericht über den Beginn der Freibadsaison „das schönste Bad des Kreises in Heringen“ (Ries) vergessen hatten. Recht hat er! Wir bitten um Verzeihung.

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