Vorbestrafter Bad Hersfelder wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

Mit Todesdrohung Geld erpresst

Bad Hersfeld. „Dümmer geht’s nimmer“, sagte Verteidiger Artak Gasper gestern vor dem Jugendschöffengericht im Amtsgericht Bad Hersfeld. Gemeint waren die Taten von Gaspers Mandant, einem 20-jährigen Bad Hersfelder, der wegen räuberischer Erpressung in drei Fällen angeklagt war.

Im vergangenen August hatte sich der junge Mann unter falschem Namen über das soziale Netzwerk Facebook an das Opfer, einen ehemaligen Arbeitskollegen, gewandt. Er forderte das Opfer insgesamt drei Mal auf, angebliche Schulden zu bezahlen. Erstmals kam der Betroffene dem Ende August nach und übergab an einem verabredeten Ort zehn Euro an einen „Boten“ – den Angeklagten. In zwei weiteren Fällen in der Folgewoche drohte der Angeklagte via Facebook sogar mit dem Tod, so dass der Betroffene sich genötigt sah, zweimal 30 Euro zu übergeben. Erst danach erstattete dieser Anzeige.

Für den 20-jährigen Angeklagten kam während der Verhandlung erschwerend hinzu, dass er zum Tatzeitpunkt bereits eine Bewährungsstrafe wegen schwerer räuberischer Erpressung verbüßte. Das Geld habe er für Lebensmittel und Zigaretten ausgegeben, so der Angeklagte, der nach Angaben seines Bewährungshelfers unter Glücksspiel- und Alkoholsucht leidet. Der Angeklagte gestand alle Vorwürfe ein und entschuldigte sich vor Gericht bei seinem ehemaligen Arbeitskollegen, den er nach eigenen Angaben nur deswegen ausgesucht hatte, weil dieser als ängstlich galt. „Das habe ich dann einfach ausgenutzt“, sagte der 20-Jährige. Jetzt täten ihm seine Taten leid, sagte er. Bei einem freiwillig begonnenen Anti-Aggressionstraining habe er inzwischen gelernt, wie schlecht sich ein Opfer solcher Taten fühle und das sei „einfach nicht schön.“

Tipps vom Opfer

Nach langer Beratung verurteilte das Gericht den jungen Bad Hersfelder zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zusätzlich muss der 20-Jährige sein bereits begonnenes Anti-Aggressionstraining weiter besuchen und sein Opfer mit 140 Euro finanziell entschädigen. „Sie stehen auf der Kippe“, sagte Richterin Michaela Kilian-Bock in Richtung des Angeklagten. Von einer Haftstrafe sei nur deswegen abgesehen worden, weil es sich trotz laufender Bewährung nicht um einen schnellen Rückfall gehandelt habe und er sich in der Verhandlung voll kooperativ gezeigt habe. „Die positiven Aspekte müssen zu Gunsten des Angeklagten gewertet werden“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Verteidigung stimmte dem Strafmaß zu.

Ungewöhnliches passierte noch nach Abschluss der Verhandlung, als das Opfer beim Gericht noch einmal um das Wort bat und dem Angeklagten zuerst Mut zusprach und dann Tipps für das Anti-Aggressionstraining gab.

Von Lasse Deppe

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