Bad Hersfelder Festspiele: Viola von der Burg spielt den Don Quijote

Die Tochter der Raubritter

Der Mann in der Frau: Viola von der Burg spielt im Familienstück der Bad Hersfelder Festspiele die Titelrolle des Don Quijote – für die Münchnerin mit spanischer Abstammung kein Problem. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Ihre Visitenkarte ziert ein buntes Wappen, ihre Vorfahren waren spanische Raubritter, und selbst die Burg in ihrem Namen soll es gegeben haben. Nur eine direkte Linie zum legendären Don Quijote kann die Schauspielerin Viola von der Burg bisher nicht nachweisen. Immerhin: Ab dem 14. Juni spielt sie den Ritter von der traurigen Gestalt bei den Bad Hersfelder Festspielen.

„Alles echt“

„Alles echt“, versichert von der Burg und verweist auf das Adelsregister und eine Abstammung, die bis in die Stadt Burgos führt. Ihre Sprachfärbung ist freilich die eines Münchner Kindls. Hier ist sie aufgewachsen, hier hat sie viele Jahre gearbeitet. Und hier ist sie nach wie vor zuhause, auch wenn sie die Engagements in die Ferne führen.

So wie jetzt in die Stiftsruine von Bad Hersfeld, in der sie als Mann auf der Bühne stehen wird. Nicht zum ersten Mal, denn in Schwäbisch Hall war sie im „Black Rider“ als Stelzfuß zu sehen.

„Weibliches Verhalten ist mir manchmal fern“, sagt von der Burg. Ihre vom Unabhängigkeitsstreben geprägten Männer-Darstellungen seien immer ohne Kommentar akzeptiert worden. Überhaupt kann sie mit Schubladendenken wenig anfangen. „Typisch weiblich, typisch männlich, das kann ich gar nicht beantworten“, sagt sie und ist überzeugt davon: „Jeder hat so was in sich.“

Auch wenn Viola von der Burg niemandem eine eigene Sicht auf die literarische Figur des Don Quijote verwehren möchte, so hat sie nach Lektüre von Cervantes 1260-Seiten-Roman ihr ganz persönliches Bild von ihm entworfen: „Ich sehe diesen 50-jährigen Mann und seine hohen Ideale. Sein Leben hat ihm nicht gereicht, er wollte es größer haben. Also baut er sich die Welt so, dass er die Rolle spielen kann, die er spielen will.“

Moderne Sichtweise

Für von der Burg ist „Don Quijote“ auch ein Glaubensstück, in dem die Hauptfigur „vom Stern Dulcinea geleitet wird“. Zudem habe der Ritter die Gabe, auch „aus Niederlagen Weisheit zu ziehen“. Für die Schauspielerin sind solche Perspektivwechsel „eine ganz moderne Sichtweise“. Doch auch ganz einfache Interpretationen hat sie dem Klassiker entnommen: „Dieser Mann lebt die Treue und nimmt dafür alles in Kauf.“

„Wird funktionieren“

Schon nach den ersten Probentagen ist die Schauspielerin überzeugt davon, dass es Regisseur Tobias Bungter gelungen ist, die wesentlichen Motive des dicken Buches in seine 73-seitige Spielfassung zu übertragen.

Und genauso sicher ist sich von der Burg, dass dieser „Don Quijote“ sowohl für die erwachsenen wie auch für die jüngeren Zuschauer in der Stiftsruine funktionieren wird. Vorerst kämpft die Münchnerin jedoch noch mit der wenig frühlingshaften Witterung. „Letzte Woche war es sehr, sehr kalt,“ sagt sie, „erst beim Üben der Fechtszenen wurde einem warm.  zur person

Von Karl Schönholtz

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