Ausstellung zum 80. Geburtstag von Horst Janssen in Galerie Rotation 31 in Hersfeld

Am Tisch mit Janssen

Noch einmal mit Horst Janssen an einem Tisch sitzen. Die Künstlerin Renate Wandel (links) und Kunsthistorikerin Yvonne Spyt, die bei der Ausstellungseröffnung die Einführung übernahm, blättern in Janssens Kunstband „Eros, Tod und Maske“. Der große Korbsessel ist dabei für Horst Janssen „reserviert“. Darüber amüsiert sich Kulturmanager Jürgen Lindhorst (stehend). Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Zeichnen war für Horst Janssen nicht die Vorbereitung für ein späteres Werk, sondern das Werk an sich. Der Hamburger Künstler galt als intelligent, intensiv und verrückt. Er lebte exzessiv, aus seinem Alkoholismus machte er nie ein Geheimnis. Am 14. November 2009 wäre der Zeichner, Radierer, Holzschnittkünstler, Lithograf, Plakatkünstler, Illustrator und Autor 80 Jahre alt geworden.

Die Ausstellung „80 x Janssen zum Achtzigsten“ in der Galerie Rotation 31 in Bad Hersfeld vermittelt einen sehr guten Eindruck von der Vielfalt dieser „epochalen Ausnahmeerscheinung“. Die von Licht durchflutete Rotationshalle, in der von 1902 bis 1992 die Hersfelder Zeitung gedruckt wurde, bietet den perfekten Rahmen für Janssens frühe Radierungen der berühmten deutschen Schriftsteller und seine Radierungen aus dem Spätwerk, die er in den 90er Jahren für die Edition seines Buches „Eros, Tod und Maske“ schuf. Diese stammen ebenso wie die vorhandenen Plakate und wertvollen Bücher aus der Privatsammlung von Kulturmanager Jürgen Lindhorst.

Zeichnung von Bad Herzfeld

Eine Rarität ist die speziell für Lindhorst gefertigte Janssen-Zeichnung von „Bad Herzfeld“, die im Jahr 1993 bei der zweiten persönlichen Begegnung Lindhorsts mit dem international anerkannten Künstler in der Radierwerkstatt St. Gertrude in Hamburg-Altona entstand. Da war der Hersfelder Kunstfreund, der zeitgleich mit der Janssen-Ausstellung „Ego, Tod und Maske“ über 1000 Besucher in den Klausturm lockte, schon lange vom Janssen-Fieber gepackt.

Besonders gern erinnert er sich allerdings an die erste zufällige Begegnung mit Horst Janssen in einer Kneipe in Berlin-Kreuzberg. Nach einem arbeitsreichen Tag aus Hamburg eingeflogen, verfehlte der Frauenheld auch in einem blauen Schlosseranzug und Gummistiefeln seine Wirkung auf das weibliche Geschlecht nicht. „Es hat mich zu dem illustren Kreis hingezogen“, schildert Lindhorst das besondere Erlebnis, mit Janssen an einem Tisch zu sitzen.

Die Bad Hersfelder Künstlerin Renate Wandel, die in der Rotation ihr Atelier eingerichtet hat, gestaltete das Plakat zur Ausstellung. „Ich fühle mich mit Horst Janssen seelenverwandt“, versichert sie.

Andy Warhol – Endi war hohl

Auch die junge Bad Hersfelder Kunsthistorikerin Yvonne Spyt kann sich der Faszination des Künstlers nicht entziehen, der sich trotz allen Eskapaden und Katastrophen seine Leidenschaft für die Kunst bewahrt hatte. Janssen brillierte in originellen Einfällen, fügte Bild und Wort zu frechen Anspielungen und Rätseln zusammen. „Andy Warhol (Endi war hohl) - all is pretty“ ist ein gutes Beispiel und ebenfalls in der Rotation in der Klausstraße 31 zu bewundern. Ebenso einige seiner unzähligen Selbstbildnisse, die Entblößungen und Inszenierungen des eigenen Ichs waren, in denen er das Maskenspiel mit dem eigenen Gesicht bewusst eingesetzt hat.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 23. Januar. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 15 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 15 Uhr.

Von Gudrun Schmidl

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