Kreisbeauftragter für Vogelschutz sucht Nachwuchs in Sachen Umwelterhaltung

Ein tierisch gutes Amt

Kamerascheu: Bei seinem ersten Fotoshooting versteckt sich dieser junge Mauerfalke noch etwas ängstlich in der Hand seines Ziehvaters Ralf Frank, der immer ein Auge auf seine Zöglinge hat. Foto: Becker

Hersfeld-Rotenburg. Wenn man den großen Garten am ganz Rande von Rotenburg betritt, kommt man sich ein kleines bisschen so vor, als wäre man in der Praxis von Dr. Dolittle gelandet. Hühner, Hunde, Katzen, Enten und Tauben laufen kreuz und quer durch die Beete, man hört das Wiehern von Pferden, das Blöken von Schafen und das missgelaunte Meckern einer Ziege. Inmitten dieses tierischen Durcheinanders steht Ralf Frank und ist die Ruhe selbst. Seit er vor einigen Jahren hierher gezogen ist, hat sich eine beträchtliche Anzahl an Pflegetieren bei ihm eingefunden.

Beratung und direkte Hilfe

Von einem langweiligen Leben kann seitdem keine Rede mehr sein: Neben seinem Beruf als Biologielehrer an zwei Rotenburger Schulen ist er außerdem Kreisbeauftragter des Deutschen Naturschutzbundes und Kreisbeauftragter für Vogelschutz. Das Telefon steht bei ihm selten still. Gemeinsam mit seiner Frau Regine berät er Leute, die Hilfe in Angelegenheiten mit Tieren brauchen. Von nistenden Schwalben unter dem Dach bis hin zu gefundenden elternlosen Jungvögeln - Ralf Frank weiß immer, was zu tun ist.

„Oft fühlen sich die Leute von den Tieren gestört und wollen sie nicht in ihrem Garten haben“, erzählt der Vater dreier Kinder. „Ich bitte sie dann oft, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn morgen der Vermieter käme und sie einfach aus der Wohnung würfe. Meist ändern sie ihre Meinung dann.“ Häufig käme es aber auch vor, dass sich Menschen dazu bereit erklären, Jungtiere aufzuziehen. „In diesen Fällen stehe ich gerne beratend zur Seite“,meint Frank. Es auf die eigenen Faust zu versuchen, könne leicht schiefgehen. Es sei daher immer ratsam, einen Fachmann zu konsultieren.

Nachwuchs fehlt

Als Vogelschützer ist Ralf Frank der jüngste im ganzen Kreis. Das Nachwuchs-Problem bereitet ihm Kopfzerbrechen, denn das angestrebte Ziel sieht einen Ortsbeauftragten pro Ortsteil vor. Davon sind die Vogelschützer momentan aber noch weit entfernt. Den Negativ-Trend in Sachen Nachwuchs sieht Frank auch in fehlendem praktischen Biologieunterricht an Schulen begründet. Er selbst leitet zwei Natur-AGs, die von den Schülern mit Begeisterung angenommen werden. „Es ist auch für die Menschen sehr wichtig, die Artenvielfalt bei uns im Kreis zu erhalten“, meint der Naturschützer. „Eine intakte Umwelt wirkt sich positiv auf unsere Gesundheit aus.“

Um Vogelschützer zu werden solle man vor allem Spaß daran haben, mit anderen Menschen umzugehen. „Wir wollen keine Sheriffs, die nur Vogelschutzbeauftragte werden, um andere Menschen anzeigen zu können“, betont Frank. Auch als Umweltschützer müsse man Verständnis für die Leute haben, die nicht mit Fledermaus und Co. unter einem Dach leben wollen.

Für den Posten sei es von Vorteil, volljährig zu sein. Doch auch für Jugendliche veranstaltet der Nabu Aktionstage, bei denen man sich für den Naturschutz engagieren kann. Maximal zehn bis fünfzehn Beratungstermine kämen auf einen Ortsbeauftragten für Vogelschutz im Jahr zu. Frank hofft darauf, dass sich einige neue ehrenamtliche Helfer finden lassen. Er selbst hat nämlich gerade im Sommer alle Hände voll zu tun. Erst vor kurzem beherbergte sein Dachboden 50 Fledermausbabys. Bei so viel tierischem Nachwuchs habe aber dann selbst er einen Praktikanten benötigt. Wer Interesse daran hat, sich aktiv für den Vogelschutz zu engagieren, kann sich bei Heike Schade unter 06621/876259 oder bei Ralf Frank unter 06623/915648 telefonisch melden. Hintergrund

Von Hannah Becker

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