Mitglieder des Festspielensembles präsentierten Europas gesungene Geschichte

Tiefsinnig und humorvoll

Sie unterhielten prächtig: Larissa A. Breidbach, Kristin Hölck, Maaike Schuurmans (vorne von links) und Christian Thomé am Schlagzeug, Wolfgang Schmidtke am Saxophon und Jörg Lehnhardt an der Gitarre (hinten von links). Foto: Jeuthner

Bad Hersfeld. „Und der Haifisch, der hat Zähne …“ Brechts „Mackie Messer“ war ein gelungener Einstieg in einen musikalischen Abend voller Überraschungen. Interpreten der Bad Hersfelder Festspiele brachten einen überaus facettenreichen Bummel durch die Geschichte Europas auf die Bühne des kleinen Freilufttheaters im Schloss Eichhof und begeisterten damit ein erlesenes Publikum.

In gelungenem Nebeneinander bot diese Länderreise. Tiefsinniges und Humorvolles. Neben Bertold Brecht und Nena wurden in erstaunlichem Wechsel Titel von den Beatles, von Abba, Ted Bush, Michel Legrand und Hildegard Knef und Gedichte und Anekdoten bekannter Verfasser wie Johann Wolfgang von Goethe, Dante und Ingeborg Bachmann gebracht.

Stimmgewaltig

Temperamentvoll und stimmgewaltig erlebte das Publikum die gebürtige Niederländerin Maaike Schuurmans, die unter anderem mit „Oh, so quiet“ von Björk Island oder mit Jacques Brels „Amsterdam“ die Niederlande vorstellte. Zartere Töne kamen von Kristin Hölck, die mit ihrer Interpretation von Kate Bushs „The Man with the Child in his Eyes“ und Giacomo Puccinis „O mio Babbino Caro“ beim Publikum Gänsehaut schaffte. Bezaubernd auch Larissa A. Breidbachs gehauchte Liebeserklärung „Lass mich bei dir sein“ von Hildegard Knef.

Dabei fand zumindest ein Teil des etwas widersprüchlichen Titels der Veranstaltung „Ich hasse Musik, aber ich liebe es, zu singen“ hier außerordentliche Bestätigung. Mit oder ohne Mikrofon, die stimmliche Klasse der Künstlerinnen war absolut überzeugend, wobei die instrumentale Begleitung durch Wolfgang Schmidtke am Saxophon, Jörg Lehnhardt an der Gitarre und Christian Thomé am Schlagzeug außergewöhnlich, sehr individuell und sehr gekonnt den passenden Rahmen schaffte.

Der Moderator Holk Freytag war offensichtlich nicht nur in seinen stimmungsvollen Vorträgen von Baudelaire oder T.S. Eliot in seinem Element, sondern auch im nachgespielten Interview mit Aki Kaurismäki, einem melancholischen, aber wohl auch cholerischen Filmemacher aus dem Norden. Der muntere verbale Schlagabtausch zwischen ihm und Maaike Schuurmans als Interviewerin sorgte bei den Gästen für große Heiterkeit.

Etwas irritiert war das wegen der sehr niedrigen Temperaturen fröstelnde Publikum, als auf den mit lang anhaltendem Applaus geäußerten Wunsch nach einer Zugabe Mozarts Kanon „Leck mich im Arsch…“ sechsstimmig von den meisterhaften Interpreten angestimmt wurde. Dieses offensichtlich weitgehend unbekannte Stück sei nachzulesen – im Köchelverzeichnis 382c …

Von Elfriede Jeuthner

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