Bad Hersfelder Opernfestspiele: Heinz Lukas-Kindermann inszeniert Mozarts Don Giovanni – Premiere heute

Vom tiefen Fall des Herzensbrechers

Im Proben-Stress: Vor der Premiere hatte „Don Giovanni“-Regisseur Heinz Lukas-Kindermann kaum eine ruhige Minute. Foto; Eisenberg

Bad Hersfeld. Eros und Tod. Diese Begriffe prägen die Oper „Don Giovanni“. Regisseur Heinz Lukas-Kindermann erkennt darin die zentralen Aspekte der Oper, die zu Wolfgang Amadeus Mozarts bekanntesten Werken gehört. Am heutigen Donnerstag feiert Heinz-Kindermanns Don-Giovanni-Inszenierung in der Stiftsruine Premiere (Beginn: 20.30 Uhr).

Die Geschichte des leidenschaftlichen Liebhabers und Verführers aus Sevilla im 17. Jahrhundert war in Bad Hersfeld zuletzt 2006 auf der Bühne zu sehen. Don Giovanni ist Herzensbrecher und Verführer. Ohne Moral und nicht fähig, lange Liebesbeziehungen einzugehen, schreckt er sogar vor einem Mord nicht zurück. Am Ende wird er bestraft und fährt zur Hölle.

Mit Don Giovanni haben Mozart und Librettist Lorenzo da Ponte ein unsterbliches Werk geschaffen, sagt Lukas-Kindermann. In Don Giovanni sieht der Regisseur einen Egozentriker. „Das Ich steht bei ihm im Mittelpunkt“, sagt Lukas-Kindermann. Dennoch habe die Figur ihre Blütezeit längst überschritten. Das werde schon durch den Mord am Komtur zu Beginn deutlich.

Gegen die Konventionen

„Ein Don Giovanni mordet nicht“, sagt Kindermann bestimmt. Don Giovanni wehre sich gegen die weltlichen und geistlichen Konventionen und Moralbegriffe. Die Mauern der Stiftsruine bildeten dafür den kirchlichen Überbau. Deshalb passe die Oper auch gut auf die große Freilichtbühne, auch wenn es sich bei Don Giovanni um ein intimes Stück handele.

Ein Stück, in dem den Solisten große, dem Chor eher kleinere Aufgaben zufallen. Die Stiftsruine biete dafür jedoch eine glänzende Akustik. „Es ist eine sehr beeindruckende Kulisse, die ich noch nicht gekannt habe“, sagt Lukas-Kindermann, der unter anderem als Begründer der Antikenfestspiele Trier über Freitlichterfahrung verfügt.

Den „Don Giovanni“ hat Lukas-Kindermann bereits mehrfach inszeniert. Die Bad Hersfelder Produktion unterscheide sich davon allein schon durch die geringen finanziellen Mittel, mit denen die Opernmacher auskommen müssen. „Wo kein Geld ist, da muss die Fantasie helfen“, gibt sich Kindermann zuversichtlich. Sein Ensemble sei ein hochmotiviertes Team und auch das Orchester spiele gut.

„Die Noten sind vorhanden, Möglichkeiten zur Ausgestaltung gibt es viele“, sagt Heinz Lukas-Kindermann, „von konservativ bis experimentell“. Er werde in seiner Inszenierung das Stück aber nicht auf den Kopf stellen.

„Don Giovanni wird nicht haschen, in die Disco gehen oder ins Flugzeug steigen. Wenn Sie das konservativ nennen wollen, dann ist die Inszenierung konservativ“, sagt der Regisseur.

Weitere Termine: 11., 13., 15., 17., 19. und 21. August, jeweils 20.30 Uhr.

Karten: 066 21 - 50 67 13 und 50 67 18; www.oper-hersfeld.de

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare