Bischof Martin Hein beeindruckt von Menschen und ihrem Engagement

Tief verbunden mit Kirche

Einen Kirchenkreis im Aufbruch erlebte Bischof Dr. Martin Hein (Zweiter von links) bei seinem Besuch in den Gemeinden im Kirchenkreis Hersfeld. Unser Bild zeigt ihn mit Pfarrer Holger Grewe, Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, Dekan Ulrich Brill und dem stellvertretenden Dekan Volker Drewes vor dem Portal der Stadtkirche in Bad Hersfeld. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Kirche ist Heimat – diese Erfahrung hat Martin Hein, der Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, während seiner vier Tage dauernden Bereisung des Kirchenkreises Hersfeld immer wieder gemacht. Die Menschen, gerade auf den Dörfern, fühlen sich ihrer Kirche verbunden, sie sind bereit, sich für ihre Kirche zu engagieren und dafür auch viel Geld zu spenden. Das hat den Bischof beeindruckt.

Besonders greifbar wurde diese Verbundenheit bei der Wiedereinweihung der Kirche in Meckbach, für Professor Hein der beeindruckendste Moment seiner Reise.

Ärger über Einsparungen

Diese tief verwurzelte volkskirchliche Haltung kann sich aber auch in Ärger und Protest äußern. Dann nämlich, wenn die Menschen das Gefühl haben, dass ihnen etwas weggenommen werden soll. Da ist zurzeit immer wieder der Fall, vor allem wenn es um Einsparungen bei Pfarrstellen oder Gemeindehäusern geht.

Obwohl dieser Prozess – das beteuerte nicht nur der Bischof, das bestätigten auch Dekan Ulrich Brill, sein Stellvertreter Volker Drewes und Pröpstin Sabine Kropf-Brandau – in enger Abstimmung und nach ausführlichen Gesprächen mit den Kirchenvorständen geschehe, entstehe bei den Menschen oft der Eindruck, dass Beschlüsse einfach in Kassel im Landeskirchenamt gefasst und vom Bischof verkündet werden.

„Wir haben deshalb das Instrument der Gemeindeversammlung wieder entdeckt“, sagt Volker Drewes. Damit sollten die Menschen möglichst frühzeitig informiert und in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden. „Wir müssen uns bemühen, alle zu hören,“ betonte Pröpstin Kropf-Brandau. „Es braucht offene Ohren und es braucht viel Kenntnis von der Region und von den Menschen.“ Diese Kenntnis, da waren sich der Bischof und die Pröpstin einig, habe Dekan Ulrich Brill, der seit vielen Jahren den Kirchenkreis betreue.

Dennoch ist es den Kirchenverantwortlichen klar, dass der strukturelle Wandel in der Kirche schmerzhaft und mit einem längeren Trauerprozess verbunden ist. Hein machte zudem deutlich, dass die Kirche nur das ausgeben könne, was sie einnehme.

Es gebe aber auch, so betonte Dekan Brill, zahlreiche Beispiele, wo zum Beispiel Zusammenschlüsse von Gemeinden reibungslos und gut gelaufen seien, bei der Stadt- und der Johanneskirchengemeinde zum Beispiel, oder bei Asbach und Eichhof.

Nicht nur wegen der notwendigen Umstrukturierungen hat Bischof Martin Hein den Kirchenkreis Hersfeld als Kirchenkreis im Umbruch und im Aufbruch erlebt. Er hat bei seinen Besuchen in den Gemeinden ein hohes Potenzial an ehrenamtlicher Mitarbeit entdeckt und mit vielen hoch engagierten Pfarrerinnen und Pfarrern gesprochen, die aktiv und kreativ mit den Erfordernissen umgehen, zum Beispiel in Fragen der Jugendarbeit oder bei der Nutzung der Gemeindehäuser.

Sorge bereitet der Kirche allerdings, dass in so vielen Gemeinden aus finanzieller Not bei den so genannten freiwilligen Leistungen gespart werden müsse, häufig also bei gemeinsamen Projekten, wie der Jugendarbeit. Hintergrund

Von Christine Zacharias

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