Umstrittene Aussagen lösen auch im Kreis Diskussionen aus

Thilo Sarrazin stört den sozialen Frieden

Hersfeld-Rotenburg. Verweigern sich Zuwanderer aus islamischen Ländern der Integration? Sind sie gar dümmer als andere? Gibt es gemeinsame genetische Merkmale bei Menschen jüdischen Glaubens? Diese und andere provozierende Fragen stellen sich in der Diskussion um Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“. Sie beschäftigen auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg die Menschen.

Die öffentliche Diskussion käme, so meint Hamit Tas, stellvertretender Vorsitzender des Ausländerbeirates der Stadt Bad Hersfeld, Sarrazin und Gleichgesinnten zugute, sie verletzte aber Menschen mit Migrationshintergrund, gerade in einer Zeit, in der viele angefangen hätten, sich als ein Teil dieser Gesellschaft zu fühlen. „Ich denke, dass durch solche Äußerungen der soziale Frieden in unserem Land gestört wird“, sagt Tas und versteht Sarrazins Aussagen als einen Angriff auf das demokratische und soziale Wesen des deutschen Staates, der sich schnell und drastisch dagegen wehren sollte. Er selbst wolle sich in seinen überwiegend positiven Erfahrungen mit Deutschland nicht beeinträchtigen lassen, meint Tas.

Thorsten Warnecke, Landtagsabgeordneter der SPD, hält gar nichts davon, Thilo Sarrazin weiter als Parteimitglied zu behalten. „Seine Äußerungen zu einem Judengen sind rassistisch. So etwas kenne ich aus der Nazizeit“, stellt er fest.

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Leserbrief: Wider die Einheitsmeinung

Als Vorsitzender des Netzwerkes für Integration im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist Uli Rathmann aus Bebra entsetzt und empört über Sarrazins pauschalisierende, polemisierende und mit wissenschaftlichen Halbwahrheiten gespickten Äußerungen, die er für Menschen, die sich um Integration bemühen, als Schlag ins Gesicht empfindet.

Sachlich fundierte Kritik und nicht ein derartiger Rundumschlag gegen einzelne kulturelle oder religiöse Gruppen sei dem Integrationsgedanken förderlich. Zum Tage, Hintergrund, Lokalseite 2

Von Christine Zacharias

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