Theaterensemble der Katakombe begeistert mit Luther-Musical in der Martinskirche

Thesen bargen Zündstoff

Das Ensemble bedankt sich für den Applaus. Eine starke Leistung, vor allem von Jürgen Amonath (Mitte, mit Schal) in der Rolle als Luther. Die Inspiration, dieses Musical in der Martinskirche zu spielen, hatte Dekan Ulrich Brill. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Luther war Wegbereiter der Reformation, ohne die die westliche Kultur in ihrer heutigen Form undenkbar wäre. Die aus der Feder des norwegischen Duos Oystein Wiik (Buch) und Gisle Kverndokk (Musik) stammende Vorlage eines Musicals über den Reformator wurde am Samstag in einer Fassung der Katakombe Frankfurt in der voll besetzten Ev. Martinskirche in Bad Hersfeld gezeigt.

Eine Mischung aus Wahrheit und Dichtung, bei der der grobe historische Rahmen aber stimmt. Hinzugedichtet wurde vom Autor die langatmige Liebesgeschichte zwischen Luther (Jürgen Amonath) und der Bürgerlichen Ursula (Juliane Fechner).

Liebeswirrwarr

Siebzig von etwas über hundert Minuten Spieldauer verblieben nach dem Liebeswirrwarr für die wichtigsten biografischen Stationen Luthers im Schnelldurchlauf. Dem Publikum wurden dabei Einblicke in die politische Lage im Spätmittelalter gewährt, in der Luther mit seinen Thesen Gefahr läuft, zum Spielball von Kaiser Karl V., dem Papst und einigen Fürsten zu werden. Spannend auch der Konflikt mit Thomas Müntzer (Thomas Kellner), dem Anführer des Bauernkrieges.

Den konsequent nach seinem Glauben und seinen Prinzipien handelnden Luther stellte Jürgen Amonath glaubhaft dar. Ganz stark Luthers Läuterung in der Gewitterszene, die stillen Momente der Selbstzweifel und seine Verteidigungsrede in Worms. Um die inneren Konflikte zu verdeutlichen, wurde Luthers Gewissen personalisiert.

Ein gewisser Jörg (Robert Neal Foster) prüft Luthers Entscheidungen. Der Name Jörg ist kein Zufall. So nannte sich Luther, als er sich auf der Wartburg versteckte. Nicht zu verstecken brauchte sich das spielfreudige Ensemble, das in der frischen und frechen Inszenierung von Carola Moritz in jeder Hinsicht überzeugte.

Die neun Schauspielerinnen und Schauspieler bespielten in Mönchskutten und Ledermänteln den ganzen Kirchenraum. Jan Reimitz glänzte in der Rolle als Johann Tetzel. In einer Revuenummer mit Stepptanz-Einlage warb er für seine Ablassbriefe. Gabriele Nickolmann hatte ihren großen Auftritt als vergnügungssüchtiger und geldgieriger Papst Leo X.

Ein Stilmix an Musik ohne erkennbaren Ohrwurm trug das Musical, das seine berührenden Momente mit dem Liebesduett und dem von Luther geschriebenen Kirchenlied „Eine feste Burg ist unser Gott“, zart intoniert von einer E-Gitarre, hatte.

Fetzige Aufführung

Im versöhnenden Geiste des Psalm 23 endete das fetzige Musical, das auch Wissen über Luther vermittelt und von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst als Kulturpartner unterstützt wird. Das Publikum dankte mit minutenlangem, begeistertem Applaus.

Von Gudrun Schmidl

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