Souffliert wird nur während der Proben – Leonora Frohnapfels laute Stimme war von Vorteil

Theaterzitate am Esstisch

Während Leonora Frohnapfel soufflierte, trug sie einen Ski-Anzug. Die Sonne genießt sie jetzt umso mehr. Foto: Broy

Bad Hersfeld. In der Stiftsruine sind die Schauspieler auf sich alleine gestellt: Es gibt nämlich keinen kleinen Kasten am Rande, in dem eine Souffleuse sitzt und ihnen bei Texthängern die richtigen Stichworte zuflüstert. Dafür ist die Bühne zu weitläufig. Nur während der Probenzeit wird nachgeholfen. Leonora Frohnapfel hat für die „Sommergäste“ souffliert.

Um als Souffleuse zu arbeiten, braucht man Talent. Eine spezielle Ausbildung gibt es nicht. „Meine laute Stimme war aber sicher ein Vorteil. Wer eine piepsige Stimme hat, kommt in der Ruine nicht weit“, erzählt Frohnapfel.

Job spontan übernommen

Fünf Wochen lang hat sie bei jeder Probe in der ersten Reihe gesessen, mit dem Textbuch auf dem Schoß oft bis in die Nacht hinein und „im Ski-Anzug, weil es so eisig kalt war.“

Ursprünglich hatte sich die 25-Jährige als Praktikantin für die Festspiel-Pressestelle beworben. „Als eine Souffleuse gesucht wurde, dachte ich: Warum nicht“. Zu Beginn fühlte sich noch unsicher. „Aber die Darsteller fanden mich ganz toll und waren während der Voraufführung nervös, weil sie ja wussten, dass ich sie zum letzten Mal unterstützen kann.“

Theater ist Frohnapfels Leidenschaft. „Ich hatte wohl ein Gespür dafür, wie das auf einer Bühne funktioniert. Während meiner Schulzeit habe ich nämlich schon bei Musical-Aufführungen mitgespielt.“ Am schwierigsten sei es gewesen, zu erkennen, wann sie lautstark dem Text nachhelfen muss: „Ich dachte oft, alle auf der Bühne seien voll im Spielfluss. Wenn jemand hängt, sieht man das nicht auf den ersten Blick. Schauspieler sind schließlich Profis im Überspielen“, schildert sie ihre Erfahrung.

Auch privat ließ die Fuldaerin die Arbeit nicht los. „Ich kam nach Hause und habe am Essenstisch Passagen aus dem Stück zitiert. Meine Eltern waren ein wenig genervt.“ Obwohl Frohnapfel viel Spaß an ihrer Aufgabe hatte, wird sie nicht nach weiteren Engagements als Souffleuse suchen. „Ich lebe von Vielfalt“, sagt sie und lacht herzhaft.

Was sie damit meint, wird klar, wenn sie die Aufgaben aufzählt, die neben der Soufflage hinzukamen: Sie ist Regieassistentin für das Stück „Kein Schiff wird kommen“ und unterstützt jetzt doch noch die Presseabteilung. Während des europäischen Theaterprojekts der Festspiele, Europolis 2050, hat sie bei Organisation geholfen. Außerdem absolviert sie gerade ein Master-Fernstudium in Kultur- und Medienmanagement.

Schon vor den Festspielen hatte die junge Frau viele Interessen. Nach dem Abitur reiste sie durch Australien, studierte anschließend Politik. Regelmäßig half sie außerdem im Restaurant der Eltern aus. Mit Sondergenehmigung der Handwerkskammer konnte sie innerhalb von vier Wochen eine Prüfung zur Restaurantfachfrau ablegen.

Was als Nächstes kommt? „Ich plane nicht lange voraus. Sonst hätte ich auch nicht spontan soufflieren können. Aber von der Welt möchte ich noch einiges sehen“, sagt sie.

Von Sonja Broy

Kommentare