Theaterdonner auf Nebenschauplätzen

Karl Schönholtz

Wenn über die Bad Hersfelder Festspiele gesprochen wird, dann am liebsten über das, was auf der Bühne der Stiftsruine zu sehen ist. Obwohl dort wieder einmal auf erfreulich hohem Niveau Theater gespielt wird, machen die Festspiele derzeit auf Nebenschauplätzen Schlagzeilen.

Wie in unserer Zeitung bereits des Öfteren zu lesen war, geht es dabei ums Geld (drohendes Defizit von einer halben Million Euro), um das Familienstück (Desinteresse bei der Zielgruppe) und das gespannte Verhältnis zum Arbeitskreis für Musik, Veranstalter der Oper in der Stiftsruine (Kreuzchor-Gastspiel als Provokation). Während Bürgermeister Thomas Fehling dazu meist schwieg und die Diskussion den bekannten Lautsprechern unter den Stadtpolitikern überließ, beklagte Intendant Holk Freytag fehlende Unterstützung und mangelnde Begeisterung für die Festspiele.

Nun muss man kein Prophet sein, wenn man behauptet, der Rathaus- und der Theaterchef werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Da helfen auch bemühte gegenseitige Wertschätzungsbekundungen wie etwa beim Probenbeginn und beim Festakt zur Festspieleröffnung nichts mehr.

Für Außenstehende ist allerdings schwer zu beurteilen, wer von beiden richtig oder falsch liegt. Und irgendwie ahnt man, dass es hier kein Schwarz und kein Weiß gibt, sondern dass Selbstverständnis und Charaktere beider Herren einfach nicht (mehr) kompatibel sind. In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, warum der Vertrag mit Holk Freytag erst vor relativ kurzer Zeit bis 2016 verlängert wurde und das mit der Maßgabe, die Festspiele in eine möglicherweise gemeinsame Zukunft mit der Oper zu führen.

Wie dem auch sei: Es ist jetzt am Bürgermeister, die Zügel in die Hand zu nehmen und die weitere Richtung zu bestimmen – auch wenn es dann erst einmal kracht. Schließlich sind die Festspiele eine Veranstaltung der Stadt Bad Hersfeld. Eine weitere Verselbstständigung der Diskussion wäre hingegen fatal und sorgt nur für weiteren Schaden. So wurde beispielsweise am vergangenen Wochenende schon wild spekuliert, weil Holk Freytag bei der Verleihung der Hersfeldpreise fehlte. Dass er sich in Worms mit anderen Intendanten traf, hatte zur Folge, dass der bei den Nibelungen-Festspielen ausscheidende Dieter Wedel gleich als Freytag-Nachfolger in Bad Hersfeld ins Gespräch gebracht wurde.

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