Montagsinterview mit dem langjährigen Festspiel-Intendanten Dr. Peter Lotschak

Theater ist Widerstand

Dr. Peter Lotschak: Er war lange Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Wir trafen ihn in einem Kaffeehaus in Frankfurt, wo er am Fritz Rémond-Theater inszenierte. Foto: Schönholtz

Frankfurt/M. Die Diskussion um die Finanzierung der Bad Hersfelder Festspiele und der Streit von Intendant Holk Freytag mit Bürgermeister Thomas Fehling ließ die Wogen der Bad Hersfelder Stadtpolitik in den vergangenen Wochen und Monaten hoch schlagen. Über mögliche Imageschäden für das Festival und das ewige Spannungsverhältnis zwischen Ruine und Rathaus sprachen wir in Frankfurt mit einem erklärten Liebhaber der Festspiele, dem langjährigen Intendanten Dr. Peter Lotschak.

Herr Lotschak, beim Hersfelder Festspiel-Streit geht es wie so oft um Geld, aber auch um die Zahl und die Auswahl der Stücke. Haben Sie von den negativen Schlagzeilen schon etwas mitbekommen?

Dr. Peter Lotschak: Kaum, nur gerüchteweise.

Also ist den Festspielen noch kein schlechter Ruf vorausgeeilt?

Lotschak: Es haben mich Schauspieler angesprochen. Alle meinen immer, ich wüsste Bescheid. Ich denke, das ist eine aktuelle Konfliktsituation, die sich nicht nur in Hersfeld abspielt, sondern europaweit. Wir wollen gar nicht von Amerika reden, wo es ganz schlimm ist.

Zwischen Intendant und Bürgermeister in Bad Hersfeld ist das Tischtuch offenbar zerschnitten. Fehling hat zudem den Leiter der Festspielverwaltung abgesägt. Was sagen Sie dazu?

Lotschak: Das wusste ich gar nicht. Aus welchem Grund? Er hat für die Festspiele gearbeitet... (lacht) Das sind Interna, da fehlt mir der Background. Aber es ist eine schwierige Situation für einen Intendanten, wenn mein Verwaltungspartner plötzlich weg ist. Das ist schon mal ein perspektivischer Schock, mit dem ich erst einmal klarkommen muss als Intendant.

Auch Sie haben es während Ihrer vielen Jahre in Bad Hersfeld immer wieder mal erlebt, dass das Klima zwischen Intendanz und Rathaus frostig war. Welchen Einfluss hat das auf die Arbeit der künstlerischen Leitung?

Lotschak: Keinen. Künstler brauchen den Widerstand. Theater ist immer Widerstand gegen etwas. Dialoge sind Konfliktsituationen und keine Kuschelmomente auf der Bühne. Damit ist Theater spannend.

Sie sind ja ein erklärter Fan der Festspiele und der Stiftsruine. Was muss ungeachtet der aktuellen Probleme Ihrer Ansicht nach geschehen, um die Festspiele zukunftsfähig zu machen?

Lotschak: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil sie komplex ist. Im Prinzip muss bei allen Überlegungen zu den Festspielen – sowohl von den einzelnen Bürgern über die Rathausspitze bis zu den Künstlern – einfach das Bewusstsein vorhanden sein: Wir haben ein wertvolles Gut in der Hand, und wir haben es zu betreuen. Und wir können es nicht einfach hin- und herschieben und sagen, heute malen wir es schwarz und morgen rot. Die Festspiele sind verankert im Bewusstsein des deutschsprachigen Theaters. Das heißt, man hat es mit einer größeren Dimension zu tun, als wenn es um den Ausbau von irgendeiner Grünfläche geht. Das muss bewahrt werden. Diese Verantwortung hat jeder zu übernehmen und muss immer diskussionsbereit sein.

Im nächsten Jahr steht das Musical „Kiss me, Kate“ auf dem Spielplan. Das wurde auch schon während Ihrer ersten Intendanz 1988 aufgeführt. Erinnern Sie sich? Und wird es wieder funktionieren?

Lotschak: Ja natürlich, mit Waszerka und meinen beiden Ganoven. Es ist immer eine Frage der Besetzung.

1999 sind Sie mal als Retter in der Not bei den Festspielen eingesprungen. Wäre für Sie im Falle eines Falles so etwas noch vorstellbar?

Lotschak: Das ist genau die Frage, die ich erwartet habe, und die ich nicht beantworte (lacht). Das ist mal der Punkt zu der Geschichte. Aber 14 Jahre plus ein Jahr Inszenierung, das gräbt sich in deine Biographie als Regisseur, auch wenn du weiß Gott wo gearbeitet hast. Und wenn da jetzt jemand kommt und sagt, da ist wahnsinnig Feuer am Dach, dann Gott möge abhüten – sagt man so schön –, dass ich sage, ich werde mal nachdenken. Ich will jetzt gar nicht nachdenken. Ist eine sehr nette Frage, aber belassen wir’s mal dabei.  text unten

Von Karl Schönholtz

Kommentare