Vortrag des Schauspielers Rainer Hauer über die Bedeutung des Schauspiels

Theater muss den Nerv treffen

Wenig klare Aussagen zu den Festspielen: Schauspieler Rainer Hauer (links) und Moderator und Bürgermeisterkandidat Gunter Müller. Foto: Janz

Bad Hersfeld. Rainer Hauer ist ein Schauspieler vom alten Schlag. Einen Raum betritt er wie eine Bühne. Er ist nicht anwesend, er ist präsent. Seine Gesten sind groß, seine Sprache ist klar.

Im Wigbert-Saal des Alten-Zentrums Hospital war das Pult Hauers Bühne, an dem sonst Pfarrer ihre Predigten halten. Ex cathedra vertrat der erfahrene Schauspieler und Regisseur in seinem Vortrag „Theater im Spannungsfeld“ starke Thesen über die Aufgabe des Schauspiels und sein Zusammenwirken mit Politik, Publikum und Presse.

Die 40 theaterinteressierten Zuschauer folgten aufmerksam dem Vortrag des 78-jährigen Österreichers. Er hat schon am Wiener Burgtheater gespielt, auf vielen deutschen Bühnen und in Bad Hersfelds Stiftsruine. „Sie ist für mich die faszinierendste aller Spielstätten“, sagte Hauer. Sein Publikum hörte es mit Freude.

Mit hohem Tempo nahm Hauer die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Geschichte des Theaters und seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Er plädierte dafür, dass Theatermacher ihrem Publikum etwas bieten, mit dem es etwas anfangen kann. Es sei eine Unsitte, dass Regisseure nur für die Kritiker inszenierten, sagte Hauer.

Vielmehr müsse Theater den Nerv der Zeit treffen. Dabei ging es Hauer aber nicht darum, das Bedürfnis nach Unterhaltung bedingungslos zu bedienen. Denn Theater müsse eine kritische Funktion erfüllen. Hauer schwärmte von den einflussreichen Stücken der Theatergeschichte – von Aischylos’ „Persern“, von Molières „Tartuffe“, von Hochhuths „Stellvertreter“.

Nichts Klares zu Festspielen

Zu den Bad Hersfelder Festspielen, bei denen Hauer schon von Publikum und Kritik gefeiert wurde, wollte er inhaltlich keine klare Stellung beziehen. Lieber stellte er dem Publikum Fragen zu den späten Anfangszeiten, zur Stückauswahl und der Terminierung der Festspiele.

Die Zuhörer nahmen das in der anschließenden Diskussion bereitwillig auf. Sie wollten hören, was Hauer zu ihren Festspielen sagt – und welche Ideen Gunter Müller hat.

Veranstalter Jürgen Lindhorst hatte den SPD-Bürgermeisterkandidaten als Moderator eingeladen, weil Müller in der Diskussion um die diesjährigen Festspiele eine moderate Position vertreten habe. Und auch diesmal setzte Müller nicht auf plakativen Wahlkampf.

Eigene Akzente setzte er nicht, forderte eine offene Diskussion, wie künftig der Rahmen für hochwertige Kultur aussehen soll. Zumindest für die Forderung, über das zu häufige Aufspannen des Zeltdachs müsse diskutiert werden, erhielt Müller Applaus.

Von Marcus Janz

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