Festspielporträt: Julian Weigend spielt schon zum vierten Mal in Bad Hersfeld

„Theater ist meine Welt“

„Ich mag Klettern und alles, was mit Bergsport zu tun hat – mein Vater und mein Bruder sind da intensiv tätig“, sagt Julian Weigend. Für unser Foto stieg er spontan auf einem Baum nahe der Stiftsruine. Foto: Marth

Bad Hersfeld. Julian Weigend erinnert sich gut an Bad Hersfeld. Der Marktplatz, die Fußgängerzone – altvertraute Punkte, die er gleich nach seiner Rückkehr bei einem Spaziergang besucht hat. 17 Jahre ist es her, dass der 40-Jährige zum ersten Mal auf der Festspielbühne stand. Als Rattenfänger, mit bodenlangem Gewand, Querflöte und kinnlangem Haar.

Inzwischen ist die blonde Mähne gekürzt und ein Drei-Tage-Bart ziert Weigends Gesicht. Aus dem Jungsschauspieler ist ein erfolgreicher Film- und Fernsehdarsteller geworden. Als Kommissar Thomas Hunger in der „Schimanski“-Reihe kennen ihn vor allem Krimi-Fans, aus Produktionen wie „Lammbock“ oder „Die Wanderhure“ Anhänger des deutschen Films. Auch Liebhabern von Streifen à la Rosamunde Pilcher dürfte Weigends Gesicht bekannt vorkommen.

„Ich hab’ das Glück gehabt, relativ viele unterschiedliche Rollen zu spielen“, blickt der gebürtige Grazer auf die vergangenen Jahre zurück. „Natürlich ist es spannender, Vielseitigkeit zu zeigen.“ Sofern es von den Angeboten her umsetzbar sei, suche er stets gezielt die Abwechslung.

„Beim Fernsehen sind die Augen aufs Honorar gerichtet, das Theater ist für mich eine Herzensangelegenheit.“

Julian Weigend

Eine Karriere in Film und Fernsehen hatte er ursprünglich nicht geplant. „Eigentlich ist das Theater meine Welt – eine, in der ich mich wirklich ausgeschöpft fühle“, sagt er und zögert bei der Frage, was er lieber möge, nicht eine einzige Sekunde. Ausnahmen bestätigten zwar die Regel, aber oft seien die Augen beim Fernsehen starr aufs Honorar gerichtet, das Theater dagegen sei eine Herzensangelegenheit.

Die Begeisterung für die Bühne hat Julian Weigend bereits bei Schulaufführungen entdeckt. Vor dem Abitur habe ihn dann der Vater einer Klassenkameradin, „ein alter Hase aus dem Schauspielhaus Graz“, angesprochen und angeboten, ihn für die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Gesagt, getan – Weigend wurde aufgenommen.

Eine richtige Berufsalternative gab es zu diesem Zeitpunkt nicht, ein „Bubenwunsch“ sei Flugzeugmechaniker gewesen. Auch als Skiprofi hätte sich der 40-Jährige, der als kleiner Junge häufig mit Vater und Bruder in den Bergen unterwegs war und noch heute ein sehr aktiver Mensch ist, möglicherweise einen Namen machen können. In der Jugend stand er im Kader des Österreichischen Ski-Verbands.

Als Skilehrer war er auch während des Studiums noch tätig. Danach tauschte er die Piste endgültig gegen die Bühne, verließ Graz und wurde zu Mönch, Geliebtem – oder Rattenfänger. In dieser Rolle zog er vor allem die Kinder in seinen Bann. Als Edgar in „König Lear“ will er in diesem Jahr die Erwachsenen begeistern.

Von Kristina Marth

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