Zwei Hersfelder nach Rauschgiftkauf erwischt: Jeweils sechs Monate auf Bewährung

Teure Schnäppchenfahrt

Bad Hersfeld. Teuer zu stehen kam zwei junge Männer aus Bad Hersfeld ihre Einkaufsfahrt nach Aachen, wo sie vermeintlich günstiges Rauschgift gekauft hatten. Denn bei einer Verkehrskontrolle nahe Haiger entdeckte die Polizei im Pkw der beiden Hersfelder gut 200 Gramm Marihuana. Der Wirkstoffgehalt des Rauschgifts war dann so hoch, dass es sich juristisch um eine „nicht geringe Menge“ handelte – ein Verbrechenstatbestand.

Vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld legten die beiden 21 und 22 Jahre alten Angeklagten gestern umfassende Geständnisse ab. 1000 Euro hatten sie und zwei nicht genannte Freunde zusammengelegt, um sich nahe der holländischen Grenze zu besseren Preisen mit Stoff zu versorgen als das vor Ort möglich war. Der Tip stammte vom jüngeren Angeklagten, der den Dealer bei einer Silvesterfeier in Aachen kennen gelernt hatte.

Der Deal ging am 14. März vergangenen Jahres zunächst planmäßig über die Bühne. Für 930 Euro gab es in vier Päckchen jeweils um die 50 Gramm, insgesamt 201 Gramm.

Die Freude währte dann allerdings nur kurz – eben bis zur Kontrolle in Haiger.

Beide Angeklagte zogen übrigens die richtige Konsequenz, denn beide machten daraufhin mit den Drogen Schluss und beteuerten vor Gericht, bis heute „clean“ zu sein.

Für Richter Dr. Rolf Schwarz und die beiden Schöffen war der Fall dennoch nicht ganz einfach, weil für den Jüngeren noch Jugendrecht, für seinen nur wenig älteren Komplizen aber unweigerlich Erwachsenenrecht mit einer deutlich höheren Strafandrohung galt.

Dem Ansinnen einer zumindest annähernden Gleichbehandlung, für die sich Rechtsanwalt Jochen Kreissl als Verteidiger des Älteren stark machte, entsprach das Gericht schließlich durch die Annahme eines „minderschweren Falls“ und einem entsprechend abgesenkten Strafrahmen. Dies begründete das Gericht mit dem Drogenkonsum der Angeklagten und dem Umstand, dass sie ja auch für andere mit eingekauft hatten.

Am Ende kam für beide eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten heraus, die in beiden Fällen zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Heranwachsende muss 100 Stunden gemeinnützig arbeiten, der Ältere 700 Euro bezahlen. Beide bekommen einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt und müssen vierteljährlich zum Drogenscreening, um ihre Abstinenz zu belegen – diese Begleitmaßnahmen waren Rechtsanwalt Christian Kusche, der dem Jüngeren beistand, wichtig, damit sein Mandant mit dem Thema Drogensucht jetzt nicht alleine gelassen wird.

Von Karl Schönholtz

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