Deutlich mehr als nur klassische Oper wurde den Besuchern der Stadthalle am Mittwochabend präsentiert

12 Tenöre im Samba-Rhythmus

In buntem Licht und leichten Nebelschwaden: Die 12 Tenöre begeisterten am Mittwochabend mit ihrem Auftritt das Publikum in der Bad Hersfelder Stadthalle. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Die Zeiten, in denen Opernsänger regungslos auf der Bühne ihre Arien sangen, sind vorbei. Mit der Boygroup „Die 12 Tenöre“ sehen Bühnenshows der Klassikbranche heute anders aus.

Es wird getanzt und gerockt, was das Zeug hält. Davon konnten sich am Mittwochabend die vielen Zuschauer in der Stadthalle bei deren imposanten Darbietungen überzeugen. Von leichten Nebenschwaden in buntem Licht umgeben schmetterten die Tenöre ihnen sogleich mit sehr gut ausgesteuertem Sound die volle Kraft ihrer Stimmen entgegen. Zur Begrüßung gab es „O Fortuna“ aus „Carmina Burana“, dann folgte das stimmungsvolle „Torna Surriento“. Einer der Tenöre, Alexander Herzog, übernahm die Rolle des Conferenciers, allerdings in der Manier eines witzigen Marktschreiers. Seine Versuche, das Publikum aufzuheizen, waren mit einer Prise Selbstironie gewürzt, was sein kompaktes Äußeres betraf. Zum Aufwärmen ermunterte er das Publikum, ihm die Vornamen zuzurufen. Beim zweiten Versuch gelang dies hörbar. Sofort merkte man, dass Herzogs Masche zieht. Der Sänger dürfte übrigens manchem Besucher durch seinen Auftritt bei den Opernfestspielen in der Stiftsruine bekannt gewesen sein. 22 Welthits standen auf dem mit einer aufwendigen Lichtershow inszenierten Programm. Mit dabei waren Arien wie „Nessun Dorma“, Pop-Hymnen wie „Music“, ein Michael-Jackson-Medley mit tollen Tanzszenen sowie Musik aus Bond-Filmen.

Zu „Delilah“ schunkelte das Publikum fleißig, zum „Queen-Medley“ stampfte es passend mit den Füßen. „O Sole Mio“ wurde als Comedy-Nummer in Form eines Wettstreits um die Gunst der Damen im Publikum präsentiert. Immer wieder traten einzelne Sänger als Solisten aus der Gesamtformation heraus, demonstrierten eindrucksvoll ihr Können, und reihten sich dann wieder in die „international zusammengewürfelte“ Gruppe ein. Manches wurde a capella gesungen. Da waren bei den hervorragend ausgebildeten Stimmen die Musiker überflüssig. Ansonsten agierte eine dreiköpfige Live-Band auf der Bühne. Mit den gut einstudierten Choreografien entstand Bewegung auf der Bühne, die keine Langeweile aufkommen ließ. Sportlich waren die „Spitze“-Sprünge und die Kletteraktionen über die Bühnenrampe ins Publikum. Zu „Volare“ bewegten die zwölf gestylten Männer ihre Hüften im Samba-Rhythmus. Nicht schlecht! Zur Zugabe am Schluss flogen sogar die Sakkos über die Bühne. Alexander Herzog war dazu bereit noch mehr Hüllen fallen zu lassen, aber er vertröstete mit der Chippendales-Einlage auf das nächste Jahr, wenn die Gruppe sehr wahrscheinlich wiederkommt. Denn Auftritte in Hersfeld gehören schon seit vier Jahren zu deren Tour-Programm. Herzog konnte sich gut an die Publikumsreaktionen im Vorjahr erinnern: „Da wackelten die Wände vom Applaus.“ Das war diesmal nicht anders.

Von Vera Hettenhausen

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