Kinder kontrollierten gestern vor Hersfelder und Bebraer Grundschulen die Autofahrer

Temposünder im Visier

Eine Rose als Dankeschön: Jana (links in rosa) und Aischa-Magdalena bedanken sich bei Bettina Götz und Ulrich Löttert-Götz für ihre umsichtiges Fahren. Hauptkommissar Jörg Hämmelmann (re.) und seine Kollegen freuen sich über so viel Vernunft. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld/Bebra. Sauer macht lustig. Aber nicht schon am frühen Morgen. Schuldbewusst blickt die junge Frau aus traurigen braunen Augen auf die beiden Schulkinder. „Das war wirklich blöd von mir“, sagt sie entschuldigend. Gerade hat sie von Jana Gress (9) und Aischa-Magdalena Marciak (9) ein Zitrone überreicht bekommen.

Mit 60 Stundenkilometern war die junge Frau mit ihrem Kombi auf der Meisebacher Straße an der Schule an der Sommerseite vorbei gebraust und dabei als eine der ersten an diesem landesweiten Aktionstag von Polizei und Verkehrswacht in die Radarfalle gerauscht.

Eine Zitrone zur Ermahnung

Als Ermahnung bekommt sie deshalb von den Schülerinnen eine Zitrone und Informationsmaterial überreicht. Auch der nächste Raser reagiert schuldbewusst auf die Ermahnung der beiden Mädchen. „Das tut mir sehr leid“, sagt er. Auf seiner Rückbank sitzt ein Baby und nuckelt an einer Trinkflasche.

Viel lieber verteilen die Grundschüler der Klasse 4a aus der Schule an der Sommerseite allerdings Rosen an disziplinierte Fahrer. Und auch dazu ist an diesem Morgen Gelegenheit. Dabei haben es Ulrich Löttert-Götz und seine Beifahrerin Bettina Götz in ihrem Lieferwagen durchaus eilig. Die beiden sind beim Renovieren. „Wir wissen, dass hier eine Schule ist und dass man gucken muss“, sagt der Fahrer und seine Frau strahlt, als sie die rote Rose überreicht bekommt. Nun kommt zum Geruch der frischen Farbe auch noch der Duft der Rose.

„Oh Gott, war ich etwa zu schnell?“, fragt Martina Gocek verunsichert. Doch Polizeioberkommissar Rolf Kettner gibt am geöffneten Fenster ihrer Fahrertür sogleich Entwarnung. Denn auch die Ronshäuserin hat sich mit 29 Stundenkilometern in der Tempo-30-Zone der Luisenstraße vor der Bebraer Brüder-Grimm-Schule eine Rose verdient.

„Vielen Dank fürs Langsamfahren und Ihre Rücksicht“, sagen die beiden Bebraer Viertklässler Niklas Holzhauer und Annika Larson (beide 9) beim Überreichen der duftenden Belohnung. Da freuen sich auch Sohn Carlos und Töchterchen Cheyenne auf der Rückbank mit ihrer Mutter. Und ein weiteres Lob gibt es von Rolf Kettner sowie von Reinhold Bleß von der Kreisverkehrswacht dafür, dass beide Kinder vorbildlich angeschnallt sind.

Schulweg ist Lernweg

„Wir haben in Bebra festgestellt, dass in diesem Jahr insgesamt langsamer gefahren wird und dass viele Eltern ihre Kinder auch zu Fuß zur Schule begleiten“, berichtet Bleß. Der Schulweg sei ja schließlich auch ein Lernweg, erklärt der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, der zudem Lehrer an der Bebraer Grundschule ist.

Die Reaktionen bei den Autofahrern auf die Aktion seien durchweg positiv. Und wer zu schnell war, dem ist die Zitrone und der vorwurfsvolle Blick aus Kinderaugen wahrscheinlich eine bessere Mahnung, als ein Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens.

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Von Kai A. Struthoff und Peter Gottbehüt

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