Chancen vergrößert: Weniger Menschen sterben am Infarkt – doch nicht überall wenige

Technik als Schrittmacher

Der Katheter spürt Engpässe auf: Wo die Herzgefäße verengt sind und mit einem Stent erweitert werden müssen, zeigt ein Computerprogramm dem Kardiologen. Foto:  dpa

Hersfeld-Rotenburg. Herzlichen Glückwunsch, Herzchirurgie: Immer mehr Menschen in Deutschland überleben einen akuten Herzinfarkt. Starben im Jahr 1990 noch elf von 10 000 Menschen an der Durchblutungsstörung des Herzmuskels, sind es heute noch sieben - ein großer Schritt nach vorne.

Der Schrittmacher dieser Entwicklung: Medizintechnik. Binnen 20 Jahren wurden in ganz Deutschland, so auch im Raum Kassel, Kliniken mit herzchirurgischem Zentrum aufgerüstet: Die Zahl der Katheter-Messplätze hat sich vervierfacht - genauso wie die Zahl der Katheter-Untersuchungen.

Dennoch: Nicht überall belebt der Schrittmacher Technik die Statistik: Deutschlandweit gibt es ein steiles West-Ost-Gefälle. Hinter den Kreisgrenzen des Werra-Meißner-Kreises beginnt die herzchirurgische Wüste: In Eisenach ist die Herzinfarkt-Sterblichkeit mehr als doppelt so hoch wie im benachbarten Werra-Meißner-Kreis. „Die Spannweite der Herzinfarkt-Sterberate zwischen den einzelnen Landkreisen ist beachtlich“, sagt Herzbericht-Autor Ernst Bruckenberger. Auch in der Region gibt es ein West-Ost-Gefälle – bis auf den Ausreißer Werra-Meißner: Hier sterben anteilig die wenigsten Menschen in der Region an Herzinfarkt. Nicht nur in Hersfeld-Rotenburg, auch in Northeim und Göttingen liegt die Herzinfarkt-Sterblichkeit über dem Bundesdurchschnittswert.

Der Herzbericht-Autor Bruckenberger rät diesen Kreisen: „Überschreitungen des Bundeswerts sollten Anlass für gesundheitspolitische Maßnahmen geben.“ Schnelligkeit, Qualität und Organisation des Rettungsdienstes sowie die Entfernung zur nächsten kardiologischen Abteilung mit Katheter-Messplatz müssten geprüft und, falls nötig, verbessert werden. (spi)

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