Versicherte müssen warten

Taxi-Streit mit AOK auf Rücken der Patienten

Hersfeld-Rotenburg. AOK-Versicherte müssen für Krankenfahrten lange Wartezeiten auf sich nehmen und sind darüber verärgert. Das behaupten die heimischen Taxiunternehmen.

Die sind in Folge des Tarifstreits aus den Verträgen mit der Krankenkasse ausgestiegen. „Stammfahrgäste bitten uns, dass wir sie an der Klinik abholen, weil sie kein anderes Taxi bekommen“, sagt Gregor Smolorz, Geschäftsführer des Taxi Service Bad Hersfeld. Wenn die Vertragspartner nicht greifbar seien, die die Kasse teils von außerhalb hole, übernehme man einzelne Fahrten zum Ortstarif. Die AOK müsse die Transportkosten für ihre Versicherten in diesem Fall übernehmen, erklärt Smolorz.

Das bestätigt Jens Marggraf, Taxiunternehmer in Rotenburg. Auch bei ihm riefen AOK-Versicherte an, die händeringend Taxis suchten.

„Alle AOK-Versicherten werden ordnungsgemäß transportiert. Wäre dies in einem Einzelfall nicht so, würden wir uns schnell um eine Lösung bemühen und den Patienten umsteuern“, sagt ein Pressesprecher der Krankenkasse. Doch das sei in den vergangenen Monaten praktisch kaum vorgekommen. „Insofern gibt es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg so gut wie keine Beschwerden.“

Knapp 80 Prozent der einstigen Kündiger hätten zudem unterjährig wieder einen AOK-Vertrag unterschrieben, da sie ohne das Auftragsvolumen der AOK Hessen ihren Betrieb gar nicht aufrechterhalten könnten, heißt es weiter.

„Nur kleinere Taxifirmen aus Dörfern sind auf das Angebot der Kasse eingegangen und stehen noch zur Verfügung, weil sie von den Krankenfahrten leben“, sagt hingegen Gregor Smolorz, „wir kompensieren das an anderer Stelle, zum Beispiel mit den Anruf-Sammel-Taxis.“

An das Klinikum Bad Hersfeld hätten Patienten keine Beschwerden herangetragen, sagt Geschäftsführer Martin Ködding.

Hintergrund:

Ausgangssituation des Konflikts mit der AOK Hessen war, dass die Taxiunternehmer vor einem Jahr wegen der Einführung des Mindestlohns eine Erhöhung des Tarifs bei Krankenfahrten von einem auf 1,30 Euro gefordert hatten. „Die Lohnnebenkosten stiegen um 20 Prozent, die AOK aber hat ihren Tarif nur um zwölf Prozent auf 1,12 Euro erhöht, und das bei den aufwendigen Krankenfahrten“, so Gregor Smolorz, Geschäftsführer des Taxi Service Bad Hersfeld. Wirtschaftliches Arbeiten sei zu diesem Preis nicht möglich. Das Angebot der AOK Hessen lautete: 1,80 Euro Pauschale, 1,12 Euro pro Kilometer, ab dem 21. Kilometer 1,15 Euro. Das sei fair, sagte ein Sprecher.

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