Warnstreik vor Libris Toren: Konflikt beim Buchgroßhändler geht in neue Runde

Tauziehen um Tarifvertrag

Hund streikt mit Herrchen: Vor dem Libri-Verteilzentrum nahmen gestern Mitarbeiter der Ver.di-Kundgebung teil. Foto: Schleichert

Bad Hersfeld. Das Tauziehen um einen Tarifvertrag bei Libri ging gestern in eine neue Runde: Mitarbeiter des Buchgroßhändlers legten ihre Arbeit nieder – nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di beteiligten sich 300 bis 350 Beschäftigte aller drei Schichten von gestern, 10 Uhr, bis heute Morgen um 6.30 Uhr an dem Warnstreik.

In dem Konflikt, der seit Ende Dezember schwelt, geht es nicht um einen oder keinen Tarif. Geschäftsführung und Gewerkschaft streiten darüber, welcher Tarif angemessen ist: Während Libri einen Logistiktarifvertrag anstrebt, fordern die Gewerkschafter den Tarif des Groß- und Außenhandels. Würde der Forderung von Ver.di stattgegeben, bekämen die Mitarbeiter laut Angelika Kappe, Geschäftsführerin von Ver.di Osthessen, bis zu 190 Euro brutto mehr im Monat.

Die Unternehmensleitung von Libri wies erneut darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren freiwillige Einmalzahlungen und eine freiwillige, monatliche Zulage zum Gehalt gegeben habe. „Wir fordern aber verlässliche Zahlungen, mit denen die Menschen kalkulieren können“, sagt Mechthild Middeke von Ver.di.

„Ihr da oben: Gebt endlich Butter bei die Fische“, forderten die Redner auf dem Streikwagen gestern mehrmals. Auch das Wort „Hinhalte-Taktik“ fiel. Diesen Vorwurf wies Libri zurück: „Wir wollen weder die Belegschaft hinhalten noch, wie teilweise verlautbart, Sonderzahlungen streichen. Dies ist schlichtweg falsch“, schrieb das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung.

Am 5. Mai wollen sich beide Parteien wieder an den Verhandlungstisch setzen. Man wolle sich bei offenen und konstruktiven Gesprächen für eine Lösung einsetzen, heißt es bei Libri. „Wenn wieder kein Angebot kommt, müssen wir eine Schippe zulegen“, kündigte Middeke mögliche weitere Streiks an – und die Zuhörer stimmten mit Pfiffen zu.

Von Pia Schleichert

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