Auftrag noch nicht vergeben – möglicher Betreiber will auf Gasantrieb setzen

Tauziehen um Stadtbus

Bald mit Gasantrieb? Die Niederaulaer Firma Käberich-Reisen möchte auf den Bad Hersfelder Linien Erdgasbusse einsetzen. Käberich hatte sich bei der Ausschreibung zwar als günstigster Anbieter durchgesetzt, der bisherige Betreiber Üwag hat dagegen jedoch Widerspruch eingelegt. Archivfoto: Schönholtz

Bad Hersfeld/Niederaula. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember läuft der Betreibervertrag für den Stadtbusverkehr in Bad Hersfeld aus. Wer ab diesem Zeitpunkt die Busleistungen innerhalb der Kreisstadt und auf der Linie 320 Bad Hersfeld-Ludwigsau erbringt, wird wohl erst Ende Juli verkündet.

In einem europaweiten Ausschreibungsverfahren hatte sich der Niederaulaer Busbetrieb Käberich gegen mehrere Mitbieter durchgesetzt. Der bisherige Betreiber, die Fuldaer Üwag Bus GmbH, hat das Vergabeverfahren gerügt und einen Nachprüfungsantrag gestellt. (Unsere Zeitung berichtete). Auf welche Punkte die Üwag ihren Widerspruch stützt, dazu möchte sich wegen des noch nicht abgeschlossenen Vergabeverfahrens niemand äußern. Auch Thomas Reichwein, der Inhaber von Käberich-Reisen, nicht. In der Ausschreibung, sagt Reichwein, habe er mit seinem Angebot knapp unter den Mitbewerbern gelegen.

Möglich sei das, weil er im Falle eines Zuschlages auf den Einsatz von Erdgasbussen setzen werde. Reichwein will mit einen Großteil seines Betriebshofes nach Bad Hersfeld umziehen. Auch eine Erdgas-Tankstelle für Busse und Lastwagen solle dann entstehen. In Niederaula blieben die Fahrzeuge, die im westlichen Kreisteil eingesetzt sind.

Die bisher 30 Fahrzeuge starke Busflotte müsste für den Stadtbus-Auftrag um 24 weitere ergänzt werden. Zudem bräuchte Reichwein zusätzliches Personal. „Ich werde jedem der Üwag-Fahrer die Chance geben, sich bei mir zu bewerben“, stellt Reichwein klar. Unter den Busfahrern in der Region will Reichwein eine große Unruhe ausgemacht haben, seit der mögliche Betreiberwechsel öffentlich geworden ist.

Zusätzliches Personal

Gerüchten, er wolle Fahrer aus Spanien anwerben, erteilt Reichwein eine Absage. Er setze als seit 1938 in Niederaula ansässiger Betrieb auf Personal aus der Region. Und bezahle, wie in der Ausschreibung festgelegt, nach Tarif. Als einer der wenigen verbliebenen Mittelständler sehe er sich im Konkurrenzkampf mit Großbetrieben. Diesen Wettbewerb wolle er mit fairen Mitteln austragen. Kürzlich hätten jedoch Üwag-Mitarbeiter die Käberich-Busse teilweise den ganzen Tag über an den Haltestellen beobachtet und seien um abgestellte Fahrzeuge herumgeschlichen, berichtet er. Den Üwag-Mitarbeitern mache er das nicht zum Vorwurf. „Im Gegenteil, das zeigt ja, dass sie sich für ihre Arbeitsplätze und ihre Firma einsetzen“, meint der Busunternehmer.

Bei der Üwag will man Reichweins Beobachtungen nicht bestätigen: „Unsere Mitarbeiter haben lediglich Kenntnisse über allgemein zugängliche Informationen über die tatsächliche Verkehrsdurchführung der öffentlichen Verkehre. Dies betrifft auch die Verkehrsleistungen von Marktbegleitern“, teilt die ÜWAG-Pressestelle auf Anfrage mit.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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