Wochenendportrait: Die 22-jährige Meike Maulitz aus Braach ist Rennfahrerin

Sie tanzt über die Pedale

In ihrem Element: Meike Maulitz hat schon mit 15 Jahren ihre Liebe zum Rennsport entdeckt. Mit ihrem Golf GTI ist sie nun regelmäßig bei Rallyes in ganz Deutschland mit dabei. Fotos: Meyer

Braach. Der Motor brüllt, das Getriebe kracht, die Vögel nehmen Reißaus. Der Blick von Meike Maulitz, 22 Jahre, heftet sich auf die Straße. Ihre blauen Turnschuhe tanzen über die Pedale, ihr Arm wandert zwischen Steuer und Schalthebel hin und her, ruckartig und im Zeitraffer. Die Maschinenbau-Studentin aus Braach fährt Autorennen und macht heute eine Probefahrt über den Stock, die Höhe zwischen Wüstefeld und Niederthalhausen.

Meike Maulitz wuchs mit ihrem Vater Uwe, Mitglied im Motorsportclub, hinein in die Welt von Motoröl und Pferdestärken. Wenn der sie als Neunjährige mit seinem Rennauto von der Schule abholte, saß Meike auf dem Beifahrersitz und hatte Angst - weil sie aus dem tiefen Schalensitz heraus die Straße nicht sehen konnte. Die Angst ist verflogen, was geblieben ist, das ist Respekt. „Wir müssen uns bewusst sein, was passieren kann“, erklärt sie sehr sachlich.

Als Meike 15 war, hat sie sich wieder mit ins Rennauto gesetzt. Auf dem Truppenübungsgelände demonstrierte Vater Uwe ihr die Kraft der Rennmaschine und die Gewalt einer Fahrt auf Zeit. Meike hat das gefallen, sie wurde zunächst Beifahrerin. Die wichtigste Aufgabe des Beifahrers ist, während der Fahrt die Kurven, ihre Entfernung und Stärke anzukündigen. Zwischen Fahrer und Beifahrer muss die Chemie perfekt stimmen, sonst droht Gefahr, erklärt Meike Maulitz. Wenn sie fährt, dann ist der Beifahrer für sie „mein Ruhepol“.

Meike Maulitz’ Auto ist ein hart gefederter Golf GTI mit 160 PS. Ihr Vater hat das Fahrzeug vor 30 Jahren zusammengebaut, nachdem er sich im VW-Werk lediglich die Rohkarosse gekauft hatte. Innen verlaufen Kabel über weiß lackierte Schweißnähte, von oben baumeln die Verbindungen der Sprechanlage. Unterm Beifahrersitz ist ein Feuerlöscher befestigt, den Innenraum umgibt ein Rahmen aus Stahlrohren, Schaumstoff-gepolstert. Der sogenannte Käfig soll Meike auch bei einem Überschlag schützen.

Etwa alle zwei Wochen begibt sich Meike Maulitz als Fahrerin oder Beifahrerin auf die Rennstrecke bei Rallyes in ganz Deutschland. Sie mag es nicht, wenn Leute denken, es ginge nur um Schnelligkeit. „So richtig fahren können, das ist eine Kunst“, sagt sie und schwärmt von Kollegen in höheren Rennklassen: „Was die Leute machen, das ist grandios. Die Erfahrung, die Fahrtechniken...“ Meikes Vater ist keiner, der vor Begeisterung so leicht überschäumt. Wenn er sagt, Meike mache das schon ganz gut, ist das ein großes Lob.

Von Achim Meyer

Kommentare