Gaststätte Hüttenbachgrund war beliebtes Ausflugsziel – Tafel hält Erinnerung wach

Tanzpodium im Wald

War einst beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Radfahrer: Die Waldgaststätte „Hüttenbachgrund“ zwischen Sorga und Dinkelrode. Die Ansichtskarte mit Innen- und Außenansicht stammt aus den 1950er Jahren. Foto: nh

Sorga. Ein Kastanienbaum und eine Linde – das sind die einzigen Überbleibsel der einstigen Waldgaststätte „Hüttenbachgrund“, die zwischen Sorga, Dinkelrode und Wippershain lag. Zur Erinnerung an das einst so beliebte Ausflugsziel hat Hessen Forst jetzt eine Informationstafel aufgestellt.

Zur offiziellen Einweihung hatte Revierförster Heinz-Dieter Mattes neben Vertretern des Forstamtes auch ehemalige und noch aktive Waldarbeiter sowie „Hüttenbach-Veteranen“ aus den umliegenden Dörfern eingeladen, die die Gaststätte noch im Betrieb erlebt hatten. Bei einer Flasche Engelhardt-Bier wurde manche Anekdote erzählt. Dazu spielte Hans Heyer auf seinem „Zerrwanst“. Eines seiner Instrumente habe er immer in der Gaststube stehen gehabt, erzählte der Sorgaer. „Da habe ich ihn am häufigsten gebraucht“.

So konnten fast alle ihre ganz eigene Geschichte zur Gaststätte erzählen. Der ehemalige Förster Detlef Weiffenbach berichtete von einem Besuch in seiner Jugendzeit, als ein Hersfelder Geschäftsmann mit der Kutsche vorfuhr, im Waldgasthof 23 gebratene Eier bestellte und diese auch fast vollständig verputzte. „Besonders viel los war an Himmelfahrt und am 1. Mai. Dann stand hier ein Tanzpodium“, erinnerte sich der einstige Waldarbeiter Werner Sirsch. Und Hermann Jäger aus Sorga hatte in der Hüttenbach sogar seine spätere Frau kennengelernt.

Gebaut als Soldatenheim

Erinnerung: Eine Informationstafel im Wald zwischen Sorga und Dinkelrode hält die Erinnerung an die Gaststätte im Hüttenbachtal wach. Revierförster Heinz-Dieter Matthes hatte den Anstoß zum Bau gegeben. Zur Einweihung waren zahlreiche „Hüttenbach-Veteranen“ gekommen, die das Gebäude noch aus ihrer Dienstzeit beim Forst oder als Gaststättenbesucher kannten. Foto: Eisenberg

Errichtet worden war die spätere Waldgaststätte im Zweiten Weltkrieg. In den Jahren 1942/43 war der obere Teil des Hüttenbachtals zum Militärischen Stützpunkt ausgebaut worden, in den 1943 zum Schutz vor Luftangriffen eine Kompanie aus der Kaserne in Bad Hersfeld verlegt wurde. Dazu gehörte auch ein Soldatenheim. Die Forstverwaltung baute das Gebäude, das geplündert und demoliert worden war, nach dem Krieg wieder auf und erweiterte es um einen Stall. Der Waldarbeiter Jakob Lotz zog in das Haus ein, in dem es anfangs weder elektrisches Licht noch fließendes Wasser gab. 1948 eröffnete die Familie dann die Gaststätte, die sich schnell zum Ausflugsziel entwickelte.

Nach der Betriebsaufgabe rückten 1970 die Abrissbagger an. Heinz-Dieter Mattes war das originale Baubestandsbuch in die Hände gefallen. Zeitzeugen lieferten weitere Informationen und Fotos, ein Beitrag in „Mein Heimatland“ des einstigen Sorgaer Bürgermeisters Georg Deisenroth die notwendigen historischen Fakten. Unter Beteiligung von Forstamts-Mitarbeitern, der Firmen Ultraviolett, Complot und der Schreinerei Kempf wurde die Erinnerungstafel angefertigt.

Das Hüttenbachtal ist für Wanderer vom Parkplatz kurz vor der Abfahrt Malkomes an der Bundesstraße 62 (Sorga-Friedewald) erreichbar.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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