Bad Hersfelder Festspiele: Heute hat das Musical „Cabaret“ Premiere

Tanz auf dem Vulkan

Bettina Mönch in der Rolle der Sally Bowles ist einer der Stars im Festspiel-Musical „Cabaret“, das heute Premiere feiert. Foto: Lefebvre

Bad Hersfeld. „Cabaret“ ist erst das zweite Musical, das bei den Bad Hersfelder Festspielen eine Neu-Inszenierung erlebt. Genau 20 Jahre ist es her, dass Rolf von Sydow den Klassiker auf die Bühne der Stiftsruine brachte, mit der damals noch weitgehend unbekannten Pia Douwes als Sally Bowles, dem unvergessenen Peter Heinrich in der Rolle des Conférenciers, und Witta Pohl besang die „Ananas“.

Schon damals spielte das Hersfelder Musical in der ersten Liga. Die Produktion stand zwei Jahre auf dem Spielplan und steht mit am Anfang einer Erfolgsserie, die ab heute auch Gil Mehmerts Inszenierung fortsetzen möchte.

Intensive Auseinandersetzung

Mehmert, der zu den renommiertesten Musical-Regisseuren im deutschsprachigen Raum gehört, hat sich intensiv mit dem Stoff auseinander gesetzt. Er hat Trends beobachtet, von denen er einige für Irrwege hält, und seine Schlüsse gezogen. Den Festspielbesuchern verspricht er einerseits ein groß angelegtes Bild, andererseits aber auch den Blick in die Tiefe der Figuren.

Die sind den Erzählungen des britischen Schriftstellers Christopher Isherwood entlehnt, der darin seine Eindrücke aus dem Berlin der späten 20er- und frühen 30er-Jahre festhielt. Das Buch mit dem Titel „Leb wohl, Berlin“ ist übrigens gerade in einer Neu-Übersetzung bei Hoffmann und Campe erschienen.

Isherwood, der in „Cabaret“ in der Figur des Cliff Bradshaw sein alter ego hat, begegnete in Berlin einer Reihe von Menschen, die ganz unterschiedlich auf die Veränderungen in der politischen Landschaft reagierten. Standhaftigkeit, Wegducken oder Mitmachen – all das wird hier thematisiert und in jedem einzelnen Fall aus dem Charakter heraus nachvollziehbar gemacht. Menschen am Scheideweg zeigt das Buch wie das Musical fernab üblicher Oberflächlichkeit.

Der Tanz auf dem Vulkan wird untermalt von unvergesslicher Musik. „Cabaret“ ist eines jener Stücke, das mit einem ganz Strauß von Songs aufwarten kann, die jeder kennt. „Willkommen“, „Mein Herr“, „Maybe this time“ oder das Titellied – hier gibt es eben nicht nur ein eingängiges Thema, das über zwei Stunden gezogen wird.

Wie bei den Festspiel-Musicals längst gewohnt, ist die Besetzung einmal mehr absolut erstklassig: Mit Bettina Mönch ist ein Shooting Star der Szene erstmals bei den Bad Hersfelder Festspielen zu erleben, dazu Publikumsliebling Helen Schneider und mit Rasmus Borkowski, Helmut Bauman und Judy Winter weitere klangvolle Namen.

Kein Wunder, dass der Vorverkauf für „Cabaret“ prima lief und eine Reihe von Vorstellungen bereits ausverkauft sind. Besonders an und um die Wochenenden gibt es nur noch Restkarten.

Von Karl Schönholtz

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