Einblick in Kultur und Geschichte der Sinti und Roma im IkuZ Bad Hersfeld

Tanz zur Verständigung

Bunte, wehende Röcke sind ebenso markant, wie die ausdrucksstarken Tänze der Sinti: Julietta Feik zeigte einen Romatanz. Im Hintergrund gut zu sehen ist die Fahne der Sinti und Roma: Grün steht für das Gras, Blau für Meer und Wasser, das rote Rad symbolisiert das fahrende Volk der „Zigeuner“. Foto: Kaschik

bad hersfeld. Er kam zu spät, als Gott die Berufe verteilte. Alles, was für den Zigeuner übrig blieb, war die Geige und somit die Musik. So lautet ein Märchen, dass sich Sinti und Roma erzählen. Und so begann auch der Abend über das „fahrende Volk“ der Sinti und Roma im Interkulturellen Zentrum in Bad Hersfeld.

Sizilia Feik und ihre Töchter Julietta, Francesca und Selina präsentierten Tänze und Geschichten ihrer Vorfahren. Die Resonanz im IkuZ war groß und fast kein Stuhl war frei beim Sinti-Abend.

Sechste Generation

Sie werden nicht immer ohne Vorbehalte in der Gesellschaft akzeptiert. „Manchmal haben wir noch mit Vorurteilen zu kämpfen“, sagte Sizilia Feik. Obwohl sie nun schon in der sechsten Generation in Bad Hersfeld lebt, wird Feik und auch ihren Töchtern manchmal noch ein abfälliges „Zigeuner“ hinterhergerufen.

Prinzipiell sei der Begriff Zigeuner keine Beleidigung. „Es ist oft einfach der Ton, der die Musik macht“, erklärte Feik.

Sie schäme sich dennoch nicht für ihre Wurzeln, sondern sei stolz auf ihr Vorfahren, die im Herzen immer frei und unabhängig gewesen seien.Im Alltag seien bunte und wehende Röcke jedoch nicht angebracht: „An der Arbeit und beim Einkaufen tragen wir ganz normale Kleidung.“

Da sich das Volk über die Jahrhunderte immer wieder aufteilte und in den verschiedensten Regionen sesshaft wurde, ist eine einheitliche Sprache verlorengegangen. „Dafür haben wir noch unsere Tänze“, erklärte Feik. Durch die Bewegungen und Tanzschritte kommunizieren die Sinti noch heute, und sie drücken ihre Lebensfreude damit aus. Eindrucksvoll stellten Feik und ihre Töchter dar, wie vielfältig die Musik der Sinti und Roma ist.

Zusammenhalt ist wichtig

Obwohl die Sinti und Roma ein vertriebenes und quasi „staatenloses“ Volk sind, ist der Zusammenhalt untereinander sehr wichtig. Von daher musste Feik auch nicht lange überlegen, als sie das Angebot vom IkuZ bekam, den Themenabend zu gestalten. Obwohl es ihr Geburtstag war, nahm sie sich viel Zeit und beantwortete im Anschluss sogar noch die zahlreichen Fragen der Zuschauer.

Von Johanna Kaschik

Kommentare