Die virtuose Kabrettistin Tina Teubner war zu Gast im Bad Hersfelder Buchcafé

Aus dem Tagebuch ihres Mannes

Die Kölner Kabarettistin Tina Teubner sang am Freitagabend im Bad Hersfelder Buchcafé Chansons mit Ironie und intelligentem Humor. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Um es gleich vorweg zu nehmen: In Tina Teubners 10. Kabarettprogramm mit dem Titel „Aus dem Tagebuch meines Mannes“ kommen überhaupt keine Zitate aus dem besagten Tagebuch vor, denn dafür liebt sie ihren Ehemann doch zu sehr.

Allerdings schien die Kölner Kabarettistin während ihres zweistündigen Programms mehrere Male schon versucht, einen kurzen Blick in das kleine Büchlein ihres Gatten zu werfen.

Blick ins Seelenleben

Bei ihrem Auftritt am Freitagabend im Bad Hersfelder Buchcafé äußerte sie allerdings auch die Vermutung, dass statt tiefster Einblicke in das Seelenleben, so wie es bei einem weiblichen Tagebuch normalerweise zu erwarten ist, die geheimen Gedanken des anderen Geschlechts wohl doch viel simpler gestrickt seien. Sie könnten wohl eher in dem Stile von „ich überlegte hin und her und entschied mich schliesslich doch für den BMW“ daher kommen könnten.

Und so schien Tina Teubner immer wieder hin und hergerissen zwischen den positiven und weniger positiven Seiten einer Beziehung zu einem echten Mannsbild.

Die studierte Musikerin wechselte während ihres Bühnenprogramms immer wieder zwischen einem Stehtischchen mit einem Glas Rotwein zum Nachdenken und Philosophieren und dem Gesangsmikrofon neben dem Klavier, an dem Pianist Ben Severüp die virtuose Künstlerin exzellent begleitete.

Abschweifend

Beim Hin- und Hersinnen über Männer, Liebe und verschwendete Energien schweiften Teubners Gedanken oft ab, und so parodierte sie den österreichischen Regisseur Max Reinhardt, sang Chansons über Diäten und die große Liebe, machte aus ihrer Abscheu gegen verlogene Profipolitiker keinen Hehl und äußerte die Vermutung, dass CDU-Arbeitsministerin und Mutter der Nation Ursula von der Leyen das Tagebuch ihres Mannes genau kennt, weil sie es höchstwahrscheinlich gemeinsam mit ihm verfasst hat.

Dass Tina Teubner auch eine virtuose Solistin an der Geige sowie an der singenden Säge ist, zeigte sie in ihren zauberhaften Chansons mehrfach überzeugend.

Bessere Hähnchen

Sehr amüsant war auch Tina Teubners ironischer Selbstvergleich mit dem musikalischen Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart. Dieser hat zwar schon als junger Mann raffinierte Opern komponiert, aber Tina Teubner macht laut eigener Aussage wenigstens das bessere Grillhähnchen.

Das restlos begeisterte Publikum im ausverkauften Konzertsaal des Buchcafés applaudierte Ben Severüp und Tina Teubner lang anhaltend und lautstark und ließ die beiden Künstler nicht ohne Zugaben von der Bühne gehen.

Von Werner Rödiger

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