Bad Hersfeld trauert um Witta Pohl, die mehrfach bei den Festspielen begeisterte

Sympathischer Ruinenstar

1995, Minuten vor der Eröffnung der Bad Hersfelder Festspiele, stellte sich Witta Pohl gemeinsam mit Festredner Will Quadflieg (von links), Cabaret-Regisseur Rolf von Sydow und dem Rattenfänger-Spielleiter Günther Fleckenstein live für den Hessischen Rundfunk den Fragen des früheren Radioreporters und heutigen HZ-Geschäftsführers Markus Pfromm. Fotos (2): Bingel

Bad Hersfeld. Auch die Festspiel-Gemeinde trauert um die große Volksschauspielerin Witta Pohl. Sie war am Montag im Alter von 73 Jahren an einer Leukämie-Erkrankung gestorben (wir berichteten). Die Nachricht löste in Bad Hersfeld große Betroffenheit aus.

Die Festspielverwaltung erinnert daran, dass in der Ära des Intendanten William Dieterle in der Zeit von 1961 bis 1965 Witta Pohl in jedem Jahr als Hermia im Sommernachtstraum unter der Regie Dieterles engagiert war. 1965 kam noch ein weiteres Engagement in „Der seidene Schuh“ von Paul Claudel hinzu. Darin übernahm sie die Rolle der Dona Musica.

Das Szenenbild zeigt Witta Pohl 1995 in der Stiftsruine in der Rolle des Fräulein Schneiders im Musical Cabaret.

1995 und 1996 kehrte Witta Pohl unter der Intendanz von Volker Lechtenbrink im Musical Cabaret als Fräulein Schneider in die Stiftsruine zurück. „Sie war eine äußerst nette und einfühlsame Schauspielerin, die im Alltag auch keinerlei Berührungsängste mit den Menschen in der Stadt hatte“, heißt es in einer Mitteilung der Festspiele. Man werde der Familie in einem herzlichen Schreiben, das Bürgermeister Thomas Fehling unterschreibt, kondolieren.

Hans-Peter Korff, der in diesem Sommer bei den Bad Hersfelder Festspielen den William von Baskerville in der „Der Name der Rose“ spielen wird, hat gestern Abend nach einem Drehtag in Leipzig vom Tod Witta Pohls erfahren. Die beiden waren als Vera und Sigi Drombusch in den 80iger Jahren „die Eltern der Nation“.

Ihm sei bewusst gewesen, dass sie sehr krank sei, sagte er in einer Stellungnahme „Es ist unendlich traurig, aber für sie ist es wahrscheinlich eine Erlösung gewesen.“

Er und Witta Pohl hätten sich gemocht und geschätzt und viel miteinander telefoniert, aber wenig über die Erkrankung gesprochen. Hans- Peter Korff behalte eine warmherzige Frau in Erinnerung, die nicht nur die „Mutter der Nation“ war, sondern auch gerne ihre Kollegen und Kolleginnen umsorgt hat.

Zum Beispiel habe sie während der Dreharbeiten zu „Diese Drombuschs“ oft in ihrer Garderobe auf zwei Herdplatten gekocht und den Kollegen und Kolleginnen kleine Mahlzeiten wie Frikadellen serviert. Als sie damit einen Brandalarm auslöste und plötzlich viele Feuerwehrmänner in ihrer Garderobe standen, habe sie ausgesprochen cool und gelassen erläutert, dass nur gekocht würde und die Herren wieder gehen könnten. (red/map/kai)

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