Hans Post war der erste Feuermeister – seine Tochter Hanne Carl erinnert sich

Symbolfigur des Lollsfestes

Feuermeister Hans Post (links) mit seinem Feuerknecht und Nachfolger Kurt Bode.

Bad Hersfeld. Jedes Jahr sammelt Hanne Carl Kastanien und wirft sie mit Begeisterung ins „Fierche“. Das gehört für die agile Seniorin zum geliebten Lollsfest dazu. Der besondere Duft rund um das Lullusfeuer begleitet sie seit ihrer Kindheit.

Schöne Erinnerungen verbindet sie mit dem jährlichen Besuch des Rummels an der Hand ihres Vaters, des Feuermeisters Hans Post. Er in Kluft, sie im roten Mäntelchen. „Ich war so stolz“, erzählt sie so anschaulich, als wäre es erst gestern gewesen. „Er ging mit mir zu sämtlichen Schaustellern, schoss mir Blumen, hing mir ein Lebkuchenherz um den Hals und nach der aufregend-rasanten Fahrt in der Achterbahn band er mir einen roten Luftballon ums Handgelenk“.

Vater war das große Los

Dass ihr Vater nie Lose kaufte, störte Hanne Carl nicht. „Mein Vater war das große Los. Er war der Inbegriff eines gütigen, toleranten, fleißigen und hilfsbereiten Menschen“.

Geboren wurde Hans Post am 30. Juli 1899 in Kerspenhausen. Er war zehn Jahre alt, als er mit seiner Familie nach Bad Hersfeld zog. Nach der Schulzeit in der Alten Klosterschule absolvierte er zunächst eine Banklehre. Dann wechselte er zum Schneiderhandwerk über, das er in der neunten Generation in dem vom Vater geführten Handwerksbetrieb erlernte. Auch aus Tradition und Pflichtgefühl, denn der junge Schneidergeselle war mit einer künstlerischen Ader gesegnet. Malen, Zeichnen, Fotografieren, Theater spielen und vor allem Verse schmieden waren seine vielfältigen Begabungen.

Als der Hersfelder Lehrer und Konrektor Wilhelm Neuhaus vorschlug, mit einem Feuermeister aus der Handwerkerzunft als Symbolfigur dem Lollsfest einen schöneren Rahmen zu geben, war die Wahl einstimmig: „Das kann nur der Poste Häns machen“.

Kluft entwarf er selbst

Seine Kluft mit schwarzen Kniehosen, rotem Wams und einem schwarzen Barett als Kopfbedeckung entwarf er selbst. Sie wurde im eigenen Geschäft genäht. Das Hersfelder Wappen am schwarzen Cape applizierte seine Frau Lisa. Schwarze Lederschuhe, die er fünfzig Jahre lang als Feuermeister und Ehrenfeuermeister trug, komplettierten die Kluft.

In einer feierlichen Zeremonie nahm er den von der Hersfelder Schreinerinnung gestifteten Fackelhalter am 11.10.1926 in Empfang. Vier Jahre später hatte er seine Meisterprüfung bestanden und war von nun an berechtigt, die Grabrede fürs „Fierche“ zu halten. Zunächst bis zur Einberufung zum Heeresdienst im Jahr 1941.

Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft übernahm er sein altes Amt von 1946 bis zum Jahr 1958 mit einer Unterbrechung im Jahr 1955, als seine geliebte Frau viel zu früh verstarb.

Nächtelang am Schreibtisch

Als Feuermeister machte er sich ganzjährig Notizen von allen Geschehnissen im „Städtchen“. „Was hat er vor Lolls nächtelang am Schreibtisch gesessen, den Bleistift gespitzt, die Feder in schwarze Tinte getaucht – nie ohne Zigarette. Wie Funken fielen die kritisch-heiteren Verse aufs Papier“, erinnert sich Hanne Carl, die mit ihrem Bruder Hans-Karl die aufregende Zeit rund um das Lollsfest in ihrem Elternhaus in der Unteren Frauenstraße erlebte, in das sie später mit ihrer Familie wieder einzog.

In den letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod im Jahr 1984 lebte „Opa Rost“ gemeinsam mit ihnen unter einem Dach. Die Feuermeisterkluft übergab Hanne Carl dem städtischen Heimatmuseum. Für seine Verdienste wurde er mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet. Auch eine Straße auf dem Frauenberg trägt seinen Namen.

Von Gudrun Schmidl

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