250 Dinge, die wir an der Region mögen (148): Der Eierstab an Fachwerkhäusern

Ein Symbol für das Leben und den Tod

Verzierung: Der sogenannte Eierstab ist ein Schmuck, der in die Querbalken von Fachwerhäusern geschnitzt wurde. In Rotenburg findet man ihn an 27 Gebäuden. Foto: Meyer

Rotenburg. Er ist ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit – und zugleich für den Tod. Der sogenannte Eierstab ist ein Schmuck, der in die Querbalken von Fachwerkhäusern geschnitzt wurde. In Rotenburg gibt es gleich 27 Gebäude, die Verzierungen dieser besonderen Art aufweisen.

Beim Eierstab wechseln sich runde Figuren, die ein Ei darstellen könnten, mit Richtung Erdboden weisenden Pfeilen ab. Zwei auseinandergehende Linien fassen das Ei jeweils ein. Es könnte sich um stilisierte Hände handeln, die das Ei behüten, erklärt Albert Deist, Pensionär und Kenner zahlloser Details der Fachwerkstadt.

Die Symbole seien aus dem antiken Griechenland nach Mitteleuropa gelangt, so Deist. Während das Ei die Geburt verkörpere, stehe der auf den Boden weisende Pfeil für die Endlichkeit und den Tod. Zimmerleute des Landgrafen, die beschäftigt sein und Geld verdienen wollten, hätten ab etwa 1650 den Rotenburgern die Verzierung der Balken beim Bau angeboten.

Damit man von echtem Eierstab sprechen könne, müssten die Symbole direkt aus dem Bauholz herausgestemmt sein, sagt Albert Deist. Darüber hinaus aber habe der Eierstab viele Freiheiten. In unterschiedlichen Farben zeigt er sich in Rotenburg, manchmal auch ganz ohne Farbe. In einer Reihe oder zweireihig übereinander kommt er vor, manchmal auch kombiniert mit anderen Formen von Fries, also Schmuckschnitzereien. An manchen Häusern versteckt sich der Eierstab im Giebel.

Auch in den umgebenden Dörfern hat Deist den Eierstab gefunden – und an einem ganz besonderen Ort: Auch an den Querbalken der Emporen in der Rotenburger Jakobikirche, die momentan restauriert wird, findet sich dieser Schmuck.

Von Achim Meyer

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