250 Dinge, die wir an der Region mögen (175): Die Dorflinde von Niedergude

Ein Symbol für die Heimat

Prägt das Dorfzentrum von Niedergude: die alte Linde. Foto: Meyer

Niedergude. Ein grünes Zweiglein des besonderen Baumes hat Ottmar Schäfer seinem Sohn nach Afghanistan geschickt, wo der als Soldat stationiert ist. Für Schäfer, ehemals Ortsvorsteher von Niedergude, sind die Lindenblätter das naheliegendste Symbol, den Sohn an die Geborgenheit der Heimat zu erinnern. In der Dorfmitte des Alheimer Ortsteils steht groß und erhaben ein Baum, der den Charakter des Dorfs prägt, und das schon seit 1838. 175 Jahre alt ist die ehrwürdige Linde.

Ein Chronik-Eintrag von 1960 verrät, dass ein Lehrer namens Schmidtkunz die Linde damals gepflanzt hat. Rund um den Baum, erinnert sich der Niederguder Richard Berge, spielten die Kinder in den 1950er Jahren Murmeln, bauten im Herbst aus Laubbergen Autos und Häuser. Die Kirmes wurde unter dem Blätterdach gefeiert.

Wegen ihrer üppigen Krone, heißt es in einem Naturführer, würden Linden oft auf Plätzen und in Alleen gepflanzt. So bilden sie vielerorts den für das dörfliche Leben so wichtigen Ortsmittelpunkt. Allerdings verschwinden Linden aus vielen Städten, weil sie empfindlich auf Luftverschmutzung reagieren.

Bei der Niederguder Dorflinde handelt es sich um eine Winterlinde, die bis zu 1000 Jahre alt werden kann. Als Naturschutzdenkmal steht sie heute unter der Obhut der Unteren Naturschutzbehörde. Spanndrähte in der Krone stabilisieren den Baum.

Für Ottmar Schäfer hat der große Baum in der Ortsmitte eine besondere Bedeutung: Anfang des 19. Jahrhunderts führten politische Reformen zur Selbstverwaltung der Ortschaften. Vielleicht, so Schäfer, hätten sie erst Eigeninitiativen wie die von Lehrer Schmidtkunz möglich gemacht. Die Linde sei deshalb ein Symbol der Freiheit.

Von Achim Meyer

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