Werner Zuschlags Engelhardt-Bier

Süffig-herb aus Hersfeld

Prost, Hersfeld! Der Hobby-Gastronom und Bierbrauer Werner Zuschlag lässt in seinem „Kleinen Versteck“ am Marktplatz die Traditionsmarke „Engelhardt“ wieder aufleben. Foto: Archiv

Bad Hersfeld. Eine Stadt ohne eigenes Bier ist eigentlich keine richtige Stadt: Bremen hat Becks, Berlin das Kindl, Hamburg trinkt Astra und in München gibt es gleich mehrere Traditionsmarken. Nur Bad Hersfeld war lange Zeit trocken. Dank dem pfiffigen Hobby-Gastronom und Braumeister Werner Zuschlag ist das seit gut einem Jahr anders. In seinem „Kleinen Versteck“ am Marktplatz ist in einem großen, silbernen Sudkessel Bad Hersfelds Traditionsmarke „Engelhardt“ wiederauferstanden.

Nach Originalrezept

Und das ist inzwischen ein Riesenerfolg. „Wir brauen nach dem Originalrezept und streng nach dem deutschen Reinheitsgebot“, sagt Zuschlag, „und wir verkaufen unser Bier bis auf die Antillen“, erzählt er stolz.

Nur in Bad Hersfeld selbst ist es schwer, an das süffig-herbe Bier ranzukommen, denn eine andere Brauerei hält hier die Namensrechte. Einzig im tegut-Supermarkt in Reilos ist Zuschlags „Engelhardt“ erhältlich. Sonst braut er vor allem für den Eigenbedarf, und beim Lullusfest oder bei Familienfeiern läuft das Bier in Strömen.

Die Hersfelder-Brautradition geht zurück auf das Jahr 1861. Damals kam der Kasseler Bierbrauer Wilhelm Engelhardt nach Bad Hersfeld und pachtete von Braumeister Georg Hermann Sauer die „Stiftsschänke“ am Markt. Engelhardt starb 1885, seine Nachfolger führten die Brauerei weiter.

Vor dem 1. Weltkrieg gab es vier Brauereien in Hersfeld, 1924 war nur noch die Engelhardt-Brauerei übrig. Sie wurde an die Aktienbrauerei Eisenach verkauft mit der Auflage, den Namen „Engelhardt“ zu erhalten. Anfang der 1970er-Jahre übernahm die Frankfurter Binding-Brauerei Engelhardt und schloss bald darauf die Hersfelder Brauerei. Die Rechte an den Traditionsnamen sicherte sich Werner Zuschlag 2008.

Das Aufleben der alten Bad Hersfelder Brautradition findet übrigens weltweit Beachtung. Unlängst berichtete sogar eine japanische Wirtschaftszeitung über Zuschlags Hinterhof-Brauerei. „Wir spielen inzwischen in der Weltliga, so viele Anfragen, wie wir bekommen“, sagt Zuschlag selbstbewusst.

Dennoch will er ganz bodenständig bleiben, denn gemessen an den Großbrauereien sei seine Bierproduktion immer noch nur „Peanuts“. Zuschlag verspricht: „Wir werden eine Hausbrauerei bleiben, denn Engelhardt gehört in Bad Hersfeld zur Bierkultur.“

Na dann, wohl bekomms!

Von Kai A. Struthoff

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