„Die 39 Stufen“ von John Buchan & Alfred Hitchcock begeisterte in der Stadthalle

Suche nach markanter Nase

Tolles Theater: Ingolf Lück, Bianca Karsten sowie Oliver Dupont und Alexis Kara (beide nicht auf dem Bild) überzeugten mit perfektem Theater. Foto: Schmidl

Bad Hersfeld. Längst hat sich Hitchcocks Thriller „Die 39 Stufen“ aus dem Jahr 1935 als atemlos rasante Komödie zu einem wahren Dauerbrenner auf den Theaterbühnen dieser Welt entwickelt.

Zwei Stunden Hochgeschwindigkeitskomik erlebten die Bad Hersfelder Theaterfreunde am Samstag in der ausverkauften Stadthalle bei dem Gastspiel der Berliner „Komödie am Kurfürstendamm“.

Vier Personen – 50 Rollen

Vier Schauspieler in mehr als fünfzig Rollen nahmen das staunende Publikum mit auf Richard Hannays (Ingolf Lück) abenteuerliche Reise von London in die schottischen Highlands, wohin der vermeintliche, steckbrieflich gesuchte Mörder flieht, um seine Unschuld zu beweisen und den Spionagering der „39 Stufen“ aufzudecken. Begleitet wird er dabei von seinen Bühnenpartnern Bianca Karsten als mysteriöse Annabella, der Bäuerin Margaret mit sächsischem Akzent und der launischen Pamela sowie Alexis Kara und Oliver Dupont, die teilweise im Sekundentakt ihre Rollen wechseln.

Zugschaffner, Zeitungsverkäufer oder Polizist? Nur eine Frage der Kopfbedeckung. Mit schriller Stimme, punktgenauer Mimik, Slapstick-Übertreibung, perfektem Timing und Tempo hasten sie über die Bühne und beweisen damit ihre schauspielerische Klasse.

Fernsehstar Ingolf Lück mit der markanten Nase, der Mitte der 90er Jahre mit der „Wochenshow“ besonders populär wurde, überzeugte in seiner Rolle als zu Unrecht Verfolgter voll und ganz.

Gemeinsam mit Hans Kieseier führt er außerdem Regie bei dieser Kriminalkomödie, die auch mit tollen Gags und abwechslungsreichen Kulissen und Requisiten punkten kann. Aus einer Leiter wird eine Brücke, die Agenten tragen selber die Straßenlaterne herein, unter der sie sich zur nächtlichen Observation postieren, ein Wasserfall wird von einem Duschvorhang gemimt.

Jagd auf dem Zugdach

Es fehlen auch nicht die Verfolgungsjagd auf Zugdächern, die Flucht aus dem Fenster und ein Liebespaar, das an Handschellen aneinandergekettet viele Hindernisse überwinden muss und mehreren Mordanschlägen entkommt.

Das Stück endet da, wo es angefangen hat: im „London Palladium“, wohin es Hannay zu Beginn vor lauter Langeweile verschlagen hatte und wo es ihm schlussendlich gelingt, den Professor, Chef der feindlichen Spionageorganisation, zu stellen.

Das Bad Hersfelder Publikum fühlte sich bestens unterhalten, dankte mit viel Szenenapplaus und am Ende mit minutenlangem Beifall.

Von Gudrun Schmidl

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