Damit Menschen wieder zueinander finden: DRK-Kreisauskunftsbüros proben Ernstfall

Suchdienst für alle Fälle

Im Einsatz, damit Auskunft erteilt werden kann: Rene Wolff, Walter Ernst, Gudrun Bannach, Margit Schneider, Julia Bannach, Steve Ullrich, Stefan Brehl, Armin Bartmann, Elena Bartmann und Gisela Gaul (von links) im Leitungsraum des DRK-Zentrums. Foto: Apel

BAD HERSFELD. Vorsorge ist besser als Nachsorge! Diese Lebensweisheit gilt auch für die Arbeit des Kreisauskunftsbüros (KAB), eines ganz speziellen Arbeitsfeldes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), auf das die Öffentlichkeit nur selten aufmerksam wird.

Glücklicherweise, denn es kommt nur selten zu Katastrophen- oder Großschadensfällen, bei denen Familien auseinandergerissen werden, bei denen verzweifelte Eltern wie nach der Duisburger Love-Parade-Katastrophe nach ihren Kindern suchen und bei denen etwas passieren muss, damit Menschen wieder zusammenfinden.

Für all diese Fälle hält das DRK einen ganz speziellen Suchdienst vor – eine Auskunftsstelle, die in ganz Deutschland auf Kreisverbandsebene aktiviert und je nach Situation oder Schadenlage kurzfristig hochgefahren werden kann.

Beim Kreisverband Hersfeld sorgt Gudrun Bannach dafür, dass die ehrenamtlich tätigen Einsatzkräfte für den Notfall gewappnet sind und dass es „läuft“, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Zum ersten Mal hat sie eine Übung angesetzt: „In der vollbesetzten Stiftsruine ist die Bestuhlung zusammengekracht. Weit über 1000 Festspielbesucher sind betroffen. Chaotische Zustände. Verletzte sind auf die umliegenden Krankenhäuser verteilt, der Marktplatz und die großen Schulen sind als Notunterkünfte eingerichtet. Keiner weiß, wer wie betroffen ist und wer wo liegt, als die ersten Angehörigen eintreffen.“

Das ist die Stunde der KABler. Die Kreisverbände Hünfeld und Frankenberg haben den Hersfeldern Unterstützung geschickt.

In der DRK-Zentrale am Seilerweg nehmen Petra Anderya und Helga Wolff Suchmeldungen entgegen. Auf der entsprechenden Computermaske wird alles Erforderliche vermerkt. Für den Fall, dass der Strom ausfällt, sind die Suchanträge auch schon auf ganz normalem Papier festgehalten worden. Daneben werden Begleitkarten, Ausweis- und Bezugskarten, Anhängekarten für Verletzte und Meldekarten für Einsatzkräfte ausgefüllt, zur PC-mäßigen Erfassung gegeben, zurückgegeben und dann von Hand alphabetisch sortiert. „Jeder hat seinen ganz bestimmten Zuständigkeitsbereich“, erläutert Gudrun Bannach, die sich seit über 39 Jahren für das DRK engagiert. „Jeder ist mit jedem vernetzt, kann also Eingaben ändern, wenn sich ein Fehler eingeschlichen hat, und schnellstmöglich Auskunft erteilen.“

Infiziert vom DRK-Virus

Steve Ulrich und Julia Bannach, die beiden Einsatzleiter, sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Übung. Und Margit Schneider, die beim DRK-Landesverband für die 24 Kreisauskunftbüros, für Schulungen, Fortbildungen und Übungen zuständig ist und die extra aus Wiesbaden angereist ist, lobt Gudrun Bannachs Übungsszenario und ihre „ganz normale“ Arbeit:

„Sie ist sehr aktiv. Bei der auf 32 Stunden angelegten Helfer-Ausbildung ist sie in ganz Nordhessen die Einzige, die alle fünf Module unterrichten kann.“

Gudrun Bannach bleibt bescheiden: „Ich bin mit dem DRK-Virus infiziert. Das liegt bei uns in der Familie!“

Von Wilfried Apel

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