Bürgerinitiative „Rettet den Stadtwald“ macht weiter mobil gegen die Windkraftpläne

Sturmfront am Wehneberg

Modellbau mal anders: Mit ihrem maßstabsgetreuen Windrad-Modell zeigen Markus Gressmann, Rechtsanwalt Patrick Habor und Andrea Zietz (von links) die Ausmaße des Projekts. Auf dem kleinen Foto am Windrad zum Vergleich die Stiftsruine. Foto: Kai Struthoff

Bad Hersfeld. Was als laues Lüftchen begann, wird immer mehr zum Sturm – zum Proteststurm. Die Windkraft-Aktivisten vom Wehneberg, die sich sich inzwischen mit dieser Bezeichnung angefreundet haben, gehen in die Offensive.

Rund 80 Zuhörer drängten sich am Donnerstagabend im ehemaligen Speisesaal des Hauses Silberdistel, um die neuesten Informationen über den Widerstand gegen die Windkraftpläne am Wehneberg zu erhalten. Unter den Besuchern waren auch Bürger aus Rohrbach, die ebenfalls Einschränkungen durch die Windräder befürchten.

Abschreckende Beispiele

Als abschreckendes Beispiel haben die Windkraft-Aktivisten ein Modell gebastelt, das maßstabsgerecht die Dimensionen der rund 200 Meter hoch aufragenden Windräder deutlich macht. Ebenso eindringlich ist ein selbstgedrehtes Video von Henry Gressmann, dem Sohn des BI-Sprechers, unter dem Titel „Wahnsinn Windkraft“, das mit viel Applaus bedacht wurde.

„Wir müssen jetzt dran bleiben und uns nicht mürbe machen lassen“, mahnte Markus Gressmann von der Initiative „Rettet den Stadtwald“. Die Gegner der Windkraftpläne am Wehneberg haben inzwischen ihre Hausaufgaben gründlich gemacht, und sich mit eigenen Experten, wie dem Göttinger Rechtsanwalt Patrick Habor, verstärkt.

Gressmann kündigte an, man wolle jetzt auf eigene Faust die unter besonderem Schutz stehenden Tiere, wie Rotmilane, Uhus und Fledermäuse, im Stadtwald nachweisen. Dafür bat er um Unterstützung. „Wir werden die weiteren Planungen aktiv begleiten und unsere Einwände gegen das Projekt vorbringen“, kündigte Gressmann an. Juristische Rückendeckung erhalten die „Stadtwald-Retter“ von ihrem Anwalt, Patrick Habor, der bei der Veranstaltung die rechtlichen Einspruchsmöglichkeiten im Zuge der Planfeststellung und der Regionalplanung erläuterte. Er appellierte an die Zuhörer, sich jetzt aktiv zu engagieren und nicht abzuwarten. Bisher gebe es noch keine belastbaren Erfahrungswerte mit 200 Meter hohen Windkraftanlagen im Wald. „Sie müssen mit anderen Kriterien bewertet werden, als kleiner Anlagen“, meinte Habor.

Eindringlich warnte auch der Bad Hersfelder Kinderarztes Georg Witte vor den gesundheitlichen Folgen des Tiefen- und Infraschalls, der durch Windkraftanlagen freigesetzt wird. Er zitierte dazu aus dem Schreiben eines Mannes aus Ostfriesland, der in unmittelbarer Nähe zu Windräder wohnt. „Es ist die Hölle auf Erden.“ Der ganze Körper schwinge mit wie auf einem Schiff in hoher See.

Erleiden statt abschalten

Witte referierte über Studien, die Zusammenhänge des Tiefenschalls, wie er von rotierenden Windrädern abgegeben wird, auf die Gesundheit dokumentieren. So berichten Wissenschaftler über Bluthochdruck, Schwindel, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit, Herzrasen und Tinnitus.

„Es ist ein Irrglaube, dass etwas, das man nicht hören kann, nicht schadet“, erklärte Witte. Hinzu komme, dass sich Infraschall nicht dämmen lasse und gerade in ruhigen Gegenden stärker wirke, weil er dort nicht von anderen Schallwellen überlagert wird. Deshalb seien die in Deutschland geltenden Mindestabstände zu Windkraftanlagen viel zu gering. „Wir können diese Belästigungen nicht einfach ausschalten – wir müssen sie erleiden“, mahnte Witte.

Das Video und weitere Infos im Internet auf www.rettet-den-stadtwald.de

Von Kai A. Struthoff

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