Sturm und unendliche Geschichten

Jan-Christoph Eisenberg

Einen Sturm der Entrüstung hat ein Filmbericht in der ARD über die Arbeits- und Lebensbedingungen von spanischen Leiharbeitern beim Internetkaufhaus Amazon ausgelöst. In E-Mails kündigten Kunden dem Versandhandel die Freundschaft, in einer Flut von Pressemitteilungen wird Aufklärung gefordert. Unter diesem Druck gab sogar Amazon, in ähnlichen Fällen in der Öffentlichkeitsarbeit alles andere als offensiv, eine Erklärung ab. Das Unternehmen verspricht Aufklärung – und die scheint auch notwendig. Im Filmbericht bleiben einige Fragen offen. Und die Stellungnahmen weiterer Beteiligter werfen neue Fragen auf. Im Seepark soll es massive Probleme mit Gewalt, Vandalismus und Diebstählen gegeben haben. Voreilige Schlüsse verbieten sich jedoch, bevor nähere Fakten bekannt sind. Bleibt zu hoffen, dass die angekündigte Aufklärung nicht im Sande verläuft, sobald die Empörungsschreie verhallt sind.

Unruhe herrscht auch in einigen Rathäusern, seit der Ludwigsauer Bürgermeisters Thomas Baumann vorgeschlagen hat, Kirmesveranstaltungen im ganzen Landkreis künftig um drei Uhr enden zu lassen. Baumann, immerhin Vorsitzender der Bürgermeisterdienstversammlung, hat dies als kreisweite Initiative präsentiert. Einige seiner Kollegen haben das Konzept jedoch lediglich als eine erste Diskussionsgrundlage aufgefasst. Zwei Kommunen werden nicht mitmachen, anderenorts ist noch keine Entscheidung gefallen. Mag sein, dass Baumann – sonst für Akribie und Besonnenheit bekannt – die Diskussion in Gang bringen wollte. Das ist gelungen. Eine – im Sinne der Chancengleichheit für Veranstalter – wünschenswerte einheitliche Lösung ist damit aber in weite Ferne gerückt.

Zur unendlichen Geschichte missrät in Bad Hersfeld die Erneuerung beziehungsweise Ertüchtigung des Parkleitsystems. Nachdem man sich im Technischen Rathaus zum wiederholten Male den Kopf zerbrochen hatte, verdammte die SPD den Vorschlag eines statischen Systems ins Mittelalter und bekannte sich zu zukunftsweisender Elektronik. Wie genau und zu welchem Preis – das blieb erst einmal offen. Komisch ist dabei, dass diese Stellungnahme erst in dieser Woche per Pressemitteilung des Ortsvereins Mitte verbreitet wurde.

Im zuständigen Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung war derart massiver Widerstand noch nicht formuliert worden. Da ging es eher um die Details des Verwaltungs-Vorschlags. Sicher kann man das alles so und so sehen. Nur wäre es irgendwie nicht schlecht, wenn man allmählich mal zu einer Entscheidung käme.

Langwierig gestaltet sich auch die Sanierung des Kirchtor-Ensembles am Bad Hersfelder Marktplatz. Noch immer hängen alle Überlegungen vom Erwerb des dritten Hauses ab, das nicht erst seit einem desaströsen Wasserschaden baufällig ist und seit geraumer Zeit durch einen Bauzaun abgesichert wird. Mit den Eigentümern liegen die Stadt und die Stiftung Hospital im Clinch. Weil aber bisher der Feuerwehreinsatz für das Abpumpen des Wassers nicht bezahlt wurde und allmählich baurechtliche Forderungen geltend gemacht werden, könnte nach Einschätzung vom Bauamtschef Johannes van Horrick demnächst Bewegung in die Sache kommen. Höchste Zeit wär’s.

In Haunetal bewegt sich derzeit einiges. Nachdem die CDU dort den Rücktritt der Ersten Beigeordneten (FWG) forderte, scheint die Fraktionsgemeinschaft von CDU/FWG endgültig Geschichte zu sein. Es dürfte in Zukunft also noch ein wenig hitziger in den Gemeindevertretersitzungen zugehen als bislang schon, wenn sich drei „Gegner“ gegenüberstehen. Und das, wo der Haushalt noch verabschiedet werden muss. Dabei sollte es doch allen um dasselbe gehen: Das Wohl der Bürger.

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