Landkreis bietet anonyme HIV-Antikörpertests an – Dr. Michael Saehrendt berät seit über 25 Jahren

24 Stunden, die nachdenklich machen

Dr. Michael Saehrendt sowie Angela Viebach-Ochs (Mitte) und Ulrike Prause sind für die Aidsberatung zuständig. Im Labor wird allen, die anonym einen Test machen wollen, Blut abgenommen. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Als Dr. Michael Saehrendt vor über 25 Jahren die Aidsberatung beim Fachdienst Gesundheit des Landkreises übernahm, kamen noch Schüler zu ihm, die wissen wollten, ob sie sich beim Küssen oder durch das Tauschen von Ohrringen mit HIV anstecken können.

Heute sind die meisten Menschen besser über HIV und Aids aufgeklärt, und HIV positiv bedeutet dank neuer Medikamente nicht mehr gleich Tod. Dennoch ist die Immunschwäche nach wie vor nicht heilbar und Aufklärung weiter nötig.

„Am Telefon offener“

„Es gibt weder einen Grund zur Verharmlosung noch zur Panik“, so Dr. Saehrendt, der gemeinsam mit Ulrike Prause und Angela Viebach-Ochs beim Kreis unter anderem für die Beratung rund um HIV und Aids zuständig ist. Bis Ende November nahmen dieses Jahr immerhin 240 Personen das Angebot des Kreises in Anspruch, das sind einige mehr als im vergangenen Jahr. Die Beratungsstelle versteht sich als Ansprechpartnerin für alle, die sich informieren wollen, aber auch für diejenigen, die Hilfe bei psychischen und sozialen Problemen durch eine HIV-Infektion benötigen.

Die Beratung des Kreises ist anonym möglich, telefonisch oder persönlich. „Am Telefon sind die meisten Menschen offener“, weiß Dr. Saehrendt aus vielen Gesprächen.

Seit 1985 die ersten Tests zugelassen wurden, besteht beim Gesundheitsdienst auch die Möglichkeit, sich auf HIV-Antikörper testen zu lassen, sprich: einen sogenannten Aidstest machen zu lassen. Für Schüler, Studenten und Menschen ohne Einkommen ist der Test kostenlos, alle anderen zahlen nur die Testgebühr von 16 Euro. Wobei das Berater-Team wegen der strengen Anonymität keinen Nachweis verlangt. Bis Antikörper nachgewiesen werden können, dauert es in der Regel zwölf Wochen. Wer Grund zur Annahme hat, sich mit HIV infiziert zu haben, muss sich also so lange gedulden.

Wer sich testen lassen will, sollte möglichst vorab einen Termin vereinbaren. Im Labor des Fachbereichs Gesundheit wird dann Blut aus der Vene entnommen, das in einem externen Labor untersucht wird. Nach 24 Stunden liegt das Ergebnis vor.

„Das sind 24 Stunden, in denen viele Angst haben, die aber auch zum Nachdenken anregt“, so Dr. Saehrendt. Bei Verdacht auf eine Ansteckung erfolgt ein zweiter Bestätigungstest. Die zum Glück seltene Situation, dem Gegenüber eine schlechte Nachricht überbringen zu müssen, sei natürlich schwer. „Allerdings sind Ärzte das ja gewohnt“, so Dr. Saehrendt.

Frauen und Männer, zumeist in mittlerem Alter, halten sich bei der Aidsberatung in etwa die Waage, wobei die männlichen Ratsuchenden „gefühlt überwiegen“. Jährlich gibt es laut Dr. Saehrendt übrigens wiederkehrende Häufungen: zum Beispiel nach der Urlaubszeit oder dem Karneval.

Von Nadine Maaz

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