Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den Regelschulen

4 Stunden mehr pro Kind

Inklusion: Alle Schüler besuchen gemeinsam eine Schule, auch wenn sie eine Lernbehinderung oder Sinnesbeeinträchtigung haben, körperlich oder geistig behindert sind oder schlicht Sprachheilförderung benötigen. Foto:  dpa/picture alliance

Hersfeld-Rotenburg. Die Eltern sind nach Einschätzung der Schulamtsleitung verantwortungsbewusst mit der Möglichkeit umgegangen, für ihre behinderten Kinder die Beschulung an einer Regelschule zu beantragen. Es gab 101 Anträge auf Inklusion, von denen 97 bewilligt wurden. Beim „Gemeinsamen Unterricht“ gab es nach Angaben von Ursula Thom-Plappert vom Staatlichen Schulamt in Bebra etwa 80 Anträge pro Jahr, circa 60 wurden bewilligt. Der „Gemeinsame Unterricht“ ist der Vorläufer der „Inklusion“, das heißt der gemeinsamen Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder.

Viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf benötigen Sprachheilunterricht. Schon beim „Gemeinsamen Unterricht“ ebenso wie jetzt in der „inklusiven Beschulung“ machen sie einen großen Anteil der geförderten Kinder aus. Inklusion gilt aber genauso für geistig behinderte Kinder, solche mit Sinnesbeeinträchtigung, Lernhilfe- oder Erziehungshilfe-Bedarf.

Für jeden Inklusionsfall bekommen die Schulen eine zusätzliche Lehrkraft für vier Unterrichtsstunden. Im „Gemeinsamen Unterricht“ waren bis zu sechs Stunden möglich.

Hat ein Kind eine geistige Behinderung, gibt es mit der Inklusion insgesamt neun Stunden zusätzlich. Zwei Kinder mit diesem Förderbedarf besuchen jetzt im Werra-Meißner-Kreis eine Regelschule. Unter den Inklusionskindern sind 44 mit besonderem Lernhilfe-Bedarf. Sie verteilen sich etwa je zur Hälfte auf die Kreise.

Der Unterricht werde überwiegend von ausgebildeten Förderschullehrkräften geleistet, sagten vom Schulamt Leiterin Anita Hofmann und Gerhard Finke.

Eltern behinderter Kinder können diese jetzt direkt bei der Regelschule anmelden. Anträge auf „inklusiven Unterricht“ müssen bis 15. Dezember an der gewünschten Schule gestellt werden. Bisher wurde der sonderpädagogische Förderbedarf vom Schulamt festgestellt. Mit der Inklusion ist diese Aufgabe an die Beratungs- und Förderzentren der Förderschulen gefallen, die für jedes einzelne Kind einen Förderausschuss mit allen Beteiligten einberufen. Die Schulleitung entscheidet dann auf Grundlage der Empfehlung eines Förderausschusses.

Neu ist auch, dass die Kinder direkt bei einer Förderschule angemeldet werden können, wenn die Eltern das wünschen. Hier überprüft dann die Schulleitung, ob Förderbedarf besteht.

Die Ausschüsse, in denen auch die Eltern und die aufnehmenden Schulen vertreten sind, haben noch bis kurz vor den Sommerferien getagt. Das ganze Verfahren hat sich nach Auskunft von Schulamtsleiterin Anita Hofmann so verzögert, weil die rechtlichen Grundlagen noch fehlten. Im nächsten Jahr sollen schon im März die ersten Förderausschüsse tagen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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