Stürmische Zeiten zum Festspielstart

Kai A. Struthoff

Endlich lässt sich bei uns mal die Sonne blicken, und eigentlich sollten in Bad Hersfeld und „umzu“ jetzt alle um die Wette strahlen. Schließlich beginnen heute unsere Festspiele – die schönste Zeit des Jahres! Doch die Premieren-Vorfreude wird überschattet von schlechten Vorverkaufszahlen und politischem Streit.

Während wir heute gespannt auf Nathan, den Weisen, warten, denkt Intendant Holk Freytag schon an die nächste Spielzeit. Das muss er auch, wenn er sich Musical-Rechte und bekannte Schauspieler sichern will.

Dem Vernehmen nach hat der Intendant durchaus zugkräftige und populäre Vorschläge unterbreitet – doch die sind, so hört man von Insidern, in der Festspielkommission wohl nicht gerade in Aufwind geraten. Das Ringen um den Spielplan wird offenbar mehr und mehr zu einer Machtprobe zwischen Stadt und Intendanz – eine haarige Situation, die dem Klima unserer Festspiele bestimmt nicht gut tut.

Stürmisch geht es auch bei der Diskussion um die Windkraft am Wehneberg zu. Gestern fand ein gemeinsamer Waldrundgang statt, der die Diskussion versachlichen sollte. Das ist auch bitter nötig, denn die Emotionen kochen hoch. Selbst beim Stadtradeln am vergangenen Wochenende wurde noch fleißig Lobbyarbeit betrieben. Und auch wir in der Redaktion bekommen den öffentlichen Druck zu spüren. So erhalten wir sogar schon anonyme Briefe, in denen uns mit Abbestellung gedroht wird, wenn wir nicht wie gewünscht berichten. Um es klar zu sagen: Wir berichten über Nachrichten, neutral und unparteiisch. Ansonsten gilt für uns der Grundsatz des geschätzten Journalisten-Kollegen Hajo Friederich: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache.“ Und einschüchtern lassen wir uns von Gegenwind auch nicht.

Eine hübsche Idee ist in der Festspielverwaltung geboren. Dort plant man „offene Museen“ in leerstehenden Geschäften in der Innenstadt einzurichten. Dort sollen all jene Stücke ausgestellt werden, die sonst in den Archiven verstauben würden. Ein Anfang ist im früheren Schlecker-Laden in der Johannesstraße gemacht worden, weitere Ladenlokale sollen folgen. So wird aus der Not eine Tugend gemacht – gar nicht windig, sondern dufte!

Ein neues Kapitel könnte unterdessen in der unendlichen Geschichte um die Ansiedlung eines Media-Marktes in Bad Hersfeld aufgeschlagen werden. Rewe will seine Elektroniktochter Pro-Markt loswerden. Angeblich soll die Metro-Tochter Media-Saturn Interesse an einzelnen Standorten haben, berichtet das „Handelsblatt“. Nun war Bad Hersfeld ja immer im Visier der Media-Markt-Leute. Vielleicht sagen sie sich nun: Ich bin doch nicht blöd – wir versuchen es mit Rückenwind noch mal.

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