Wochenendporträt: Jonas Englich schlüpft als Festspiel-Statist in viele Rollen

Strumpfhose und Glatze

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Die etwas anderen Wölfe im Dschungelbuch: (von links) Statist Bastian Bernst, Mogli-Darstellerin Lena Vogt und Jonas Englich

Bad Hersfeld. Er trägt hautenge Strumpfhosen, ein rosa Höschen und Schulterpolster. Nein, er leidet nicht an Geschmacksverirrung. Er, Jonas Englich (19), spielte einen Affen im Musical Dschungelbuch der diesjährigen Bad Hersfelder Festspiele. Und natürlich auch einen Wolf. „Akela tickt nicht mehr richtig“, wirft er dem alten Rudelführer an den Kopf.

Am Abend folgt eine andere Vorstellung. Jonas schaltet um, lässt sich eine Mönchstonsur aufkleben und stimmt gregorianische Gesänge an. Diesmal spielt er einen Klosterbruder des Mönchschors in „Der Name der Rose“.

Mit 16 stand er das erste Mal als Statist auf der Bühne der Bad Hersfelder Festspiele. Sein Musiklehrer Helgo Hahn brachte ihn auf die Idee. Seine Statistenlaufbahn begann in der Odyssee. Im vergangenen Jahr spielte er im Wilhelm Tell und sprang in Carmen ein. Nur einmal sah er sich die Proben an und spielte direkt siebenmal mit. Das zeugt von großer Auffassungsgabe.

Zwölf Stunden in der Ruine

Mindestens alle drei Tage musste der ambitionierte Saxophonist zu den Proben. „Einmal war ich zwölf Stunden lang in der Ruine“, erzählt Jonas. Von der Dschungelbuch-Probe sei es direkt in die Rose-Probe übergegangen. „Manchmal war es echt anstrengend und nervig“, berichtet er. Stundenlanges Sitzen oder Stehen wurde zum Alltag. Der Klamottenwechsel musste innerhalb von fünf Minuten passieren. Da konnten schnell Hetze und Stress aufkommen. „Ich habe aber auch einmal eine Probe einfach verpennt“, sagt Jonas.

Proben während der Abizeit

Die Statisterie fasziniert den Abiturienten. „Ich darf hinter die Kulissen schauen, habe viel Spaß und lerne alle Schauspieler kennen.“ Das Besondere sei für ihn in diesem Jahr das Singen gewesen. Musik macht Jonas schon seit über 13 Jahren, aber singen gehörte bis jetzt für ihn nicht dazu. Doch wo Talent ist, ist auch ein Weg.

In diesem Jahr liefen alle Proben zur Zeit der heißesten Abiphase. Doch das konnte Jonas nicht bremsen. „Ein bisschen Zeit zum Lernen blieb schon“, sagt er grinsend. Das bestandene Abitur bedeutet allerdings auch, dass die Bad Hersfelder Festspiele in den nächsten Jahren ohne Jonas stattfinden werden. Ab Oktober wird der Sorgaer in Koblenz Computervisualistik studieren.

Erfahrungen nicht missen

„Es ist schon sehr schade, nun nicht mehr mitmachen zu können“, erzählt Jonas, der mit seinem Statistenfreund Basti bald das Wohnheim in Koblenz unsicher machen wird. Aber bevor der Abschied vor der Tür steht, veranstalten alle Statisten zusammen noch ein Mauerfest für die Schauspieler. „Ich will die Erfahrungen nicht missen, auch nicht die der hautengen Strumpfhose“, erzählt Jonas Englich.

Von Lea-Marie Brandau

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